Vermutliche Auktionsbetrüger zocken 150.000 Mark ab
Der mutmaßliche Auktionsbetrüger Logomedia hat offensichtlich in ganz großem Stil abgeräumt. Die Kripo Hamburg schätzt den Schaden auf etwa 150 000 Mark.
Der vermutliche Auktionsbetrüger Logomediavertrieb hat offensichtlich in ganz großem Stil abgeräumt. Die Kripo Hamburg schätzt den Schaden auf etwa 150.000 Mark. Die mutmaßlichen Betrüger hatten in einer Reihe von Auktionen elektronische Geräte zu extrem niedrigen Preisen angeboten und Zahlung per Vorkasse verlangt, die Waren jedoch nicht geliefert.
Bislang konnten zwei Tatverdächtige dingfest gemacht werden; die Kripo geht aber nach dem aktuellen Stand der Ermittlungen davon aus, dass noch weitere Personen an dem Betrug beteiligt waren. Von diesen fehlt allerdings noch jede Spur – und damit auch von einem Großteil der Beute. Nur rund 25.000 Mark haben die Ermittler bei den gefassten Personen und auf dem Konto der Firma sichergestellt. "Die Täter sind äußerst professionell vorgegangen", sagte Kriminalhauptkommissar Detlev Rohwedder gegenüber c't. Bei telefonischer Nachfrage seien die potenziellen Kunden entweder beruhigt oder mit Hinweis auf die vielen anderen Interessenten abgebügelt worden, wenn sie die Zahlungsweise in Frage stellten. Offensichtlich ging die Rechnung in den meisten Fällen auf. Zudem haben die Täter ihre Flucht anscheinend gut vorbereitet. Das Konto sei regelmäßig abgeräumt worden, erklärte Rohwedder.
Betroffen sind nach Schätzungen der Kripo etwa 500 Kunden bei Offerto, Ricardo, Yahoo und Primus-Online. Für die meisten von ihnen dürfte sich der Schaden in einigermaßen erträglichen Grenzen halten. Manche Kunden hat der Betrüger aber um einige tausend, in einem Fall sogar um 18.000 Mark, erleichtert. Neben der Suche nach dem Täter bereitet das Ermitteln aller Geschädigten der Kripo noch einiges Kopfzerbrechen. Bislang haben sich erst rund 120 Opfer gemeldet. Ab Donnerstag, den 6. April, sollen Betroffene sich über die extra eingerichtete E-Mail-Adresse mit der Kripo Hamburg in Verbindung setzen können. Telefonisch ist das Kommissariat erreichbar unter 040/428663400.
Unterdessen macht sich Unmut unter den Auktions-Geschädigten breit. Vor allem an Ricardo, über dessen Internet-Seite etwa 150 Auktionen von Logomedia zwischen dem 12. und 18. März gelaufen sind, wird Kritik laut. Laut Aussage eines Betrogenen habe ein aufmerksamer Bieter Ricardo schon am 12. März darauf hingewiesen, dass mit dem LMV-Vertrieb etwas nicht stimme. Ricardo habe jedoch nicht reagiert. Erst am 21. März, nachdem sich Negativ-Meldungen gehäuft hatten, sperrte der Online-Auktionär den dubiosen Anbieter. Zu diesem Zeitpunkt waren jedoch schon alle Auktionen abgeschlossen – zudem hatte die Kripo am selben Tag ohnehin schon das Konto gesperrt. Die Geschädigten werfen Ricardo nun eine erhebliche Mitschuld vor, da größerer Schaden hätte verhindert werden können, wenn der Anbieter sofort gesperrt worden wäre. Einige wollen sogar rechtliche Schritte einleiten.
Ricardo-Sprecher Matthias Quaritsch sieht die Sache anders. "Wir können nicht jeden Anbieter bei der ersten Beschwerde sperren, da einige Klagen unbegründet sind oder von Konkurrenz-Anbietern kommen", stellt Quaritsch gegenüber c't klar. Sollten sich diese aber häufen, so ergreife Ricardo entsprechende Maßnahmen. Zudem könne jeder Käufer seine Geschäfte sicher über das Treuhand-Konto abwickeln, das seit Dezember zur Verfügung stehe und explizit in jeder Mail an die Bieter empfohlen werde. Rechtlichen Schritten gegen sein Unternehmen gibt Quaritsch geringe Erfolgschancen, da Ricardo in seinen AGBs ausdrücklich die Haftung ausgeschlossen habe. (atr)