Ein Klolicht für 160 Euro
Japanische Hersteller sind immer schon erfindungsreich gewesen, wenn es darum ging, neue Märkte für teure Hightech-Produkt zu entwickeln. Aber derzeit treibt das teure Blüten.
- Martin Kölling
Japanische Hersteller sind immer schon erfindungsreich gewesen, wenn es darum ging, neue Märkte für teure Hightech-Produkt zu entwickeln. Aber derzeit treibt das teure Blüten.
Wie viel Geld sind Sie bereit, für eine LED-Energiesparlampe im Klo zu bezahlen? 15 Euro? 30 Euro? 50 Euro? Beim japanischen Elektronikhersteller Sharp kommen Sie damit nicht weit. Dessen neueste Leuchte kostet in Japan im Laden umgerechnet schockierende 160 Euro. Der Grund für den stolzen Preis: Die Lampe ist gleichzeitig ein Luftreiniger, der mit Hilfe ionisierter Luft Bakterien, Viren und Gerüchen zu Leibe zu rücken verspricht. In die Lampenfassung eindrehen und los geht's, wenn niemand auf dem Klo ist. Tritt der Kunde ein, geht das Licht automatisch an und regelt die Ionenflut ein wenig herunter.
Auch eine unwesentlich billigere Bettlampe mit der so genannten Plasmacluster-Ionen-Technik hat der Konzern jüngst auf den Markt gebracht. Sie pustet ihre Ionen über das Bett, um so den Geruch von Schweiß und klammer Bettwäsche zu eliminieren sowie des Nachts die Haut pflegen. Offenbar denkt man sich bei Sharp, dass man seine Ionisierungstechnik möglichst weit verbreiten will, wenn man sie denn schon hat. Der Konzern verkauft schon seit mehr als einem Jahrzehnt Luftreiniger, die mehr tun, als nur Staub in Filtern zu fangen.
Für mich ist dies ein neues wie interessantes Beispiel für die alte Stärke japanischer Unternehmen, neue Anwendungen für ihre Technik zu suchen und zu finden. Variation ist gefragt bei vielen Produkten, seien es LEDs, Kartoffelchips oder KitKat. Nirgendwo ist das Angebot verschiedener Formen und Geschmacksrichtungen größer als in Japan, um den Kaufreflex wach zu halten. Es funktioniert: Ich habe mir gerade im Supermarkt eine Tüte Kartoffelchips gekauft, die mit vier Käsesorten aromatisiert waren.
Gleichzeitig stellt sich mir bei den Mondpreisen für Sharps Umsetzung dieser Philosophie die Frage, ob man als Unternehmen diese Produkten machen sollte, nur weil man sie machen kann. Gewiss ist es schön, wenn die Deckenleuchte nicht nur Licht, sondern auch gleich die Luft sauber macht. Und wenn meine immer schlaffere Haut sich im Schlaf strafft.
Ich würde mir solche Multifunktionsleuchten auch gerne anschaffen, schon aus Jux und Tollerei. Aber als ich den Preis sah, strich ich diese Idee wieder von meiner mentalen Einkaufsliste. Doch Sharp glaubt, dennoch einen kleinen, aber feinen Markt für seine Produkte zu finden. Von der Kloleuchte will der Konzern monatlich 5000 Stück verkaufen, von der Bettlampe 2000 Stück. Nach dem Motto: Kleinvieh macht auch bei großen Konzernen Mist. Nur mache ich diesen Mist dieses Mal nicht mit. (bsc)