Steuererleichterung
Ein multifunktionales Lenkrad will künftig alle wichtigen Informationen für den Fahrer liefern und die vollständige Bedienung des Fahrzeugs ermöglichen, ohne dass er dazu eine Hand vom Steuer nehmen muss
- Rudolf Skarics
Tokio/Ranshofen 10. November 2014 – Möglicherweise haben Sie jeden Tag ein Lenkrad von Takata in der Hand und wissen es gar nicht. Das japanische Zuliefer-Unternehmen für Fahrzeug-Sicherheitssysteme besitzt 55 Fertigungsstätten und 15 Entwicklungszentren weltweit mit einer starken deutschen Komponente. Den Konkurrenten Petri in Aschaffenburg (erstes Airbag-Lenkrad mit Mercedes, 1981) übernahm man im Jahr 2000. Jetzt hat Takata gemeinsam mit dem österreichischen Spezialisten für Car ICT und Mensch-Maschine-Interaktion, Audio Mobil Elektronik, ein Multifunktionslenkrad entwickelt, das alle Bedienfunktionen außer Gas, Bremse und Kupplung in einem Lenkrad vereint. Daran knüpft sich sofort die essenzielle Fragen: Ist das überhaupt möglich und sinnvoll?
Bei Audio Mobil hat man festgestellt, dass ein Cockpit im Jahr 1983 im Wesentlichen sieben Funktionen umfasste, die bis zum Jahr 2010 auf 38 anwuchsen. 2014 waren es bereits mehr als 60 inklusive Assistenzsysteme, Navigation und Smartphone-Anbindung. Das will alles vom Fahrer überblickt und bedient werden. Die unterschiedlichen Unternehmensphilosophien der Fahrzeughersteller haben auch zu komplett unterschiedlichen Detaillösungen geführt, die alle ihre Vor- und Nachteile aufweisen, und unisono auch für enorme Ablenkung sorgen, jedenfalls, wenn jemand in der Bedienung nicht höchst versiert ist.
Steuererleichterung (8 Bilder)

In einem Audi A6 Konzeptfahrzeug von Auto Mobil wird das neue Lenkrad getestet. Nur bei starkem Lenkeinschlag irritiert der Monitor, der sich mitdreht.
Rumfummeln in den Tiefen der Armaturenlandschaft
Das hohe Ablenkungspotenzial weit über ein vertretbares Maß hinaus ist mittlerweile sozusagen amtlich. Hier nur einer der Kritikpunkte aus einer dreijährigen empirischen Studie der US-amerikanische National Highway Traffic Safety Administration (NHTSA): Für die Eingabe eines Navigationszieles benötigten die Probanden abhängig vom Fahrzeughersteller durchschnittlich zwischen 80 und 175 Sekunden. Die Augen waren dabei zwischen 46 und 48 Sekunden lang auf den Bildschirm gerichtet. Das entspricht einer mehrfachen Überschreitung der von der NHTSA empfohlenen höchsten Ablenkungsdauer.
Fazit aus der Betrachtung: Das Rumfummeln in den Tiefen der Armaturenlandschaft soll ein Ende haben, beide Hände sollen durchgehend am Lenkrad und der Blick auf die Fahrbahn gerichtet bleiben. Und weil die ganz fortschrittlichen Dinge heute alle mit einem kleinen „i“ anfangen, haben Takata und Audio-Mobil ihren Lenkrad-Prototyp iCS genannt, in vollem Wortlaut „interaktive Communication Steering Wheel“.