High-Tech-Aktien mit Microsoft auf Talfahrt
Noch vor wenigen Wochen waren Aktien von Hochtechnologie-Unternehmen die Höhenflieger an der Wall Street. Jetzt stürzen sie ab.
Noch vor wenigen Wochen waren Aktien von Hochtechnologie-Unternehmen die Höhenflieger an der Wall Street. Die Investoren konnten von diesen Aktien gar nicht genug bekommen. Jetzt sind diese Papiere angesichts eines dramatischen Kurswechsels vieler institutioneller und Millionen kleiner Anleger unter die Räder gekommen.
Der mit Technologieaktien gespickte Sammelindex der elektronischen NASDAQ-Börse spiegelt diesen Trendumschwung überdeutlich wider. Er brach am Montag angesichts der Entwicklung des Microsoft-Kartellprozesses um 349,15 Punkte oder 7,64 Prozent auf nur noch 4223,68 Punkte ein. Das war der höchste Punktverlust in der Geschichte der NASDAQ und der fünfthöchste prozentuale Tagesrückschlag.
Das bedeutete einen Wertverlust von mehr als 500 Milliarden Dollar für alle NASDAQ-Aktien, wobei die dort notierten Microsoft-Aktien nach ihrem Kurssturz allein 80 Milliarden Dollar an Wert verloren. Der NASDAQ-Index liegt jetzt um 16,3 Prozent unter seinem am zehnten März verbuchten Rekordhoch von 5048,62 Punkten. Er weist seit Jahresbeginn aber immer noch einen Gewinn von 3,8 Prozent auf. Er hatte im vergangenen Jahr um 86 Prozent zugelegt und sich seit Sommer 1995 verfünffacht.
Viele spekulative Hochtechnologiewerte sind aber in den letzten Tagen und Wochen bereits um 50 bis 80 Prozent abgestürzt. Selbst große Technologiewerte mussten Federn lassen. Microsoft liegt jetzt um knapp 24 Prozent unter dem Hoch der letzten zwölf Monate, Cisco Systems und Intel um jeweils neun Prozent und Yahoo um 33 Prozent.
Dagegen sind jetzt plötzlich die lange verpönten Standardwerte oder "Blue Chips" wieder gefragt, das heißt die Aktien der Großkonzerne aus den traditionellen Branchen wie Banken und Finanzen, Einzelhandel oder Industrie. Sie stellen die "Old Economy" dar und haben einen großen Vorteil: Riesige Umsätze und Gewinne. Dagegen haben viele der Internet- und Biotechnologiefirmen nur minimale Umsätze und Riesenverluste.
Die groĂźen Standardwerte sind vor allem im Dow-Jones-Index und im Standard & Poor's 500-Index enthalten, die beide am Montag und in den letzten Tagen massive Kursgewinne verbuchten. Der Dow legte am Montag um 300,1 Punkte oder 2,75 Prozent auf 11221,93 Punkte zu, doch liegt er noch immer um 2,4 Prozent niedriger als zum Jahresbeginn. Er hat sich in den letzten Wochen um 13 Prozent gefestigt.
Die astronomischen Bewertungen vieler Hochtechnologiewerte rächte sich ebenfalls. Die 100 wichtigsten NASDAQ-Aktien wurden zum Wochenauftakt im Schnitt noch mit dem 150-fachen ihrer Gewinne bewertet, während das Kurs-Gewinn-Verhältnis der 30 Dow-Werte nur bei 22 lag. Deshalb rieten zahlreiche Wall-Street-Gurus in den letzten Tagen plötzlich von Technologiewerten ab.
Die starke Korrektur im Hochtechnologiebereich ist auch auf den Ausstieg der so genannten Trendspekulanten und auf die steigenden US- Zinsen zurĂĽckzufĂĽhren. Hinzu kam, dass viele Anleger mit gepumptem Geld Technologieaktien kauften und jetzt von den Wall-Street-Brokern zur Kasse gebeten werden. (Peter Bauer, dpa)/ (cp)