Aldi-PC im Test

Mitten im Weihnachtsgeschäft will Aldi mit einem Allround-PC für 599 Euro die ganze Familie überzeugen. Dank flotter CPU und Grafikkarte könnte das sogar klappen. Doch im c't-Labor kommt es außerdem auch auf leisen und sparsamen Betrieb, Erweiterbarkeit und Anschlüsse an.

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Von
  • Benjamin Benz
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Mit dem Allround-PC Akoya P5395 D für 599 Euro richtet sich Aldi an die ganze Familie.

Weder der Name des aktuellen Aldi-Nord-PCs (Medion Akoya P5395 D alias MD 8844 alias Multimedia-PC-System) noch seine technischen Eigenschaften klingen weihnachtlich. Dennoch hat Medion für 599 Euro ein Paket geschnürt, das unterm Baum die ganze Familie erfreuen könnte: Der Core i5-4460 macht mit seinen 4 Kernen und einer maximalen Turbo-Taktfrequenz von 3,4 GHz eine gute Figur – sowohl bei moderner Multithread-Software als auch bei älteren Programmen, die nur einen Kern nutzen. 8 GByte RAM reichen für die allermeisten Anwendungen. Die GeForce GTX 750 Ti langweilt sich zwar bei Textverabeitung und Co, zaubert bei Bedarf aber auch anspruchsvolle Ego-Shooter auf Full-HD-Displays – zumindest bei mittleren bis hohen Detaileinstellungen. Dank 802.11n-WLAN kommt man mit dem Akoya P5395 D auch ohne Strippenziehen ins Internet, Gigabit-Ethernet gibt es ebenfalls.

Der Großteil des Lärms stammt von der mechanischen Festplatte.

Die erste Enttäuschung für unsere Tester war die magnetische Festplatte: Die fasst zwar mit 2 TByte ziemlich viele Fotos und Urlaubsvideos und überträgt Daten mit 200 MByte/s, SSD-Feeling stellt sich jedoch nicht ein. Deutlich wird das unter anderem an der Bootzeit von 24 Sekunden. Andere Systeme brauchen weniger als die Hälfte.

Obwohl eine SSD dank kurzer Latenzen mehr zur "Schwuppdizität" oder gefühlten Performance beiträgt als Prozessor, Grafikkarte oder RAM, fällt es Marketingstrategen offensichtlich schwer, das angemessen anzupreisen. Sie protzen immer noch lieber mit Gigahertz, Kern-Anzahl sowie Terabytes.

Auf das Konto der Platte des Aldi-PC geht zudem der Löwenanteil der Lärmentwicklung im Ruhezustand. Betrachtet man nur den Messwert von etwas über 0,5 Sone, ist der zwar noch "gut". Doch unserer Schallmesskammer mit stabilem Messtisch entgeht natürlich, dass die Platte über das Gehäuse unsere normalen Schreibtische in Vibration versetzt hat. Weil der Geräuschpegel unter Vollast mit 1,1 Sone noch passabel ist, gibt es aber unterm Strich trotzdem die Geräuschnote "gut".

Bei der elektrischen Leistungsaufnahme sieht es ähnlich aus: Einerseits sind 32 Watt im Leerlauf dreimal mehr, als wirklich sparsame Modelle brauchen. Andererseits ist der PC gut ausgestattet und sowohl die separate Grafikkarte als auch die Platte fordern ihren Tribut. Die 161 Watt unter Volllast gehen in Anbetracht der Performance dagegen in Ordnung.

Gespart hat Medion beim Mainboard oder genauer dessen Chipsatz H81. Das billigste Modell von Intel hat nur zwei USB-3.0-Ports, einen davon belegt der Datenhafen 3 für eine spezielle externe USB-Platte, die nicht zum Lieferumfang gehört. So bleibt nur eine einzige Superspeed-taugliche Buchse an der Front. Hinten gibt es nur 4 × USB 2.0 und der ebenfalls per USB 2.0 angebundene Kartenleser reizt moderne Speicherkärtchen bei weitem nicht aus.

Außerdem erlaubt der H81-Chipsatz nur zwei DIMM-Slots, von denen Medion nur einen mit einem 8-GByte-Modul bestückt. Das lässt die Option, später noch aufzurüsten, mindert aber die Datentransferrate. Auf die CPU-Performance hat das keinen spürbaren Einfluß. Ebenso wenig macht sich bemerkbar, dass die Kommunikation zwischen CPU und GPU beim H81 nur mit PCIe-2.0- statt mit PCIe-3.0-Geschwindigkeit erfolgen kann – eine absichtliche Einschränkung seitens Intel.

Zugutehalten kann man dem Mainboard die drei zusätzlichen Monitorausgänge. Weil die aber nur von der Prozessorgrafik und nicht von der GeForce GTX 750 TI versorgt werden, deaktiviert Medion sie im BIOS-Setup und deckt sie mit Plastikkappen ab. Wer will, kann sie aber reaktiveren und so noch mehr Monitore anschließen oder einem 4K-Display per DisplayPort volle UHD-Auflösung bei 60 Hz entlocken. Der Grafikkarte fehlt ein DisplayPort.

Dass der Akoya P5395 D nur wenig analoge Audioanschlüsse hat, stört nicht weiter. Schade ist unterdessen, dass er die Kopfhörerbuchse nicht unabhängig von den Lautsprecherausgängen betreiben kann. Digitalen Rundumton gibt es nur per HDMI, nicht aber per SPDIF.

Aldi-PC im c't-Test (6 Bilder)

Den Akoya P5395 D bietet Aldi seit dem 27. November für 599 Euro an.

Auf der einen Seite bekommt man beim aktuellen Aldi-PC für knapp 600 Euro in puncto Rechen- und Grafikleistung ordentlich etwas geboten und die Geräuschentwicklung ist passabel. Auf der anderen Seite würden wir persönlich keinen PC ohne SSD oder zumindest Hybridfestplatte mehr haben wollen.

Unsere Bauvorschläge in c't 1/15 werden zeigen, dass man für nur 50 Euro mehr einen vergleichbaren PC mit SSD bauen kann, der sogar flüsterleise ist. Wer nicht spielen will, kann unterdessen für weniger als 400 Euro einen PC bekommen, der sich bei vielen Alltagsaufgaben ähnlich flott anfühlt. (bbe)