Spielerische Bewerbung bei Siemens
Siemens setzt zur Anwerbung von neuem Personal ein Internet-Spiel ein.
Der Siemens-Konzern geht neue Wege bei der Rekrutierung von Mitarbeitern: Seit dem 1. Juni können sich Interessenten online bewerben – allerdings nicht per Einsendung von Bewerbungsunterlagen oder dem einfachen Ausfüllen von Formularen, sondern durch die Teilnahme an einem Internet-Spiel. Den Rahmen des aufwändig gestalteten Spiels Cyco – Challenge-Unlimited, das allerdings nur mit installiertem Flash-4-Plugin ausgeführt werden kann, bildet die Aufgabe, eine Weltraumdrohne durch einen Asteroidengürtel zu steuern und die fiktive Stadt Nouvopolis vor der Bedrohung durch einen Meteoriten zu retten. Unterwegs wird der Spieler mit bestimmten Aufgaben konfrontiert: So soll er beispielsweise innerhalb zweier Minuten möglichst viele Namen für einen perfekten Stadtteil angeben oder seine Assoziationen mit bestimmten Begriffen mitteilen. Aber auch Fragen zu seiner Selbsteinschätzung muss er beantworten. Alle Aktionen und Antworten des Spielers werden aufgezeichnet.
Aus den gesammelten Daten erstellt die Software ein Teilnehmerprofil, auf das Siemens erst nach ausdrücklicher Einverständniserklärung des Teilnehmers zugreifen kann. Die Spieler können ihr erstelltes Profil selbst jederzeit einsehen. Kandidaten, die ihr Profil für Siemens freigeben und die dem Elektronik-Konzern geeignet für eine Mitarbeit erscheinen, können sich auf eine Einladung zu einem Bewerbungsgespräch freuen. Aber auch für Teilnehmer, die kein Interesse an einer Beschäftigung bei Siemens haben oder die nicht zum Gespräch eingeladen werden, kann sich das Spiel lohnen: Es gibt 100 Handys und drei Formel-1-Wochenenden in Budapest zu gewinnen.
Hinter den Aufgaben und Fragen stehen abgesicherte Testverfahren, versicherte der zuständige Projektleiter bei Siemens, Michael Crusius. Die Konzeption und Realisierung des Internet-Spiels hätten Experten aus der zum Siemens-Konzern gehörenden Qualifizierungsgruppe SQT in Zusammenarbeit mit der auf Mulitmedia für Bildung und Kommunikation spezialisierten Agentur M.I.T. aus Friedrichsdorf bei Frankfurt, der Bochumer Firma Eligo, die auf psychosozialen Tests basierende Software für Personalauswahl entwickelt, und der Firma Webpartner aus München erarbeitet.
Das Resultat dieser Zusammenarbeit stößt auf unerwartet hohe Resonanz: Hatte Siemens zunächst für die gesamte Laufzeit des Projekts von sechs Wochen zunächst mit etwa 2000 Teilnehmern gerechnet, haben bis heute schon über 1200 Spieler ihr Profil für Siemens freigegeben. Mit einigen Interessenten habe man auch schon Kontakt aufgenommen und um die Einsendung von Bewerbungsunterlagen gebeten, berichtete Crusius. Er zeigte sich zuversichtlich, dass das Projekt insgesamt ein Erfolg wird. (chr)