E-Bubble und E-iertanz bei der INET China
Große Glückwünsche für all die Internet-Startups gab es auf der chinesischen Konferenz der Internet-Society; um politische Unwägbarkeiten vollführten die Redner einen Eiertanz.
Auch in China schütteln Netzwerker der ersten Stunde verwundert den Kopf über all die jungen Leute, die mit ihren E-Startups die alten Gesichter nach und nach verdrängen. "Trotz Online-Registrierung, auf die ich nie eine Antwort bekam, musste ich erst jemanden zum Eingang zitieren, der mich von früher kennt", klagt Alex Tan, ehemaliger Mitarbeiter eines staatlichen chinesischen Internet-Forschungsinstituts und heute Professor an der Universität von Syracuse (USA) zu Beginn der Internet-Konferenz INET China, die von der Internet Society (ISOC) veranstaltet wird.
Donald Heath, Chef der ISOC, beglückwünschte die chinesischen Gastgeber zu der rasanten Entwicklung von Nutzerzahlen und neuen Services. Er teile die Ansicht nicht, dass der E-Boom, von der virtuellen Buchhandlung bis zum Shopping im Netz, eine Luftblase sei, die platzen müsse. Etablierte Unternehmen, in China noch nicht sehr stark im Netz vertreten, würden die Newcomer aufkaufen, meinte Heath. Eine internationale ISOC-Delegation, darunter auch der deutsche SPD-Bundestagsabgeordnete Lothar Binding, besucht derzeit Behörden, Serviceprovider und E-Startups in ganz China.
Politische Aussagen waren am INET-Eröffnungstag eine Seltenheit. Sun Jingsheng, Chef des Telekommunikationsbüros des Ministeriums für Informationsindustrie (MII), betonte erneut, dass China im Internet einen eigenen Weg gehen müsse. Westliche Geschäftsmodelle seien nicht auf China übertragbar. Den kulturellen Unterschieden müsse Rechnung getragen werden. Man wolle die Vorzüge des neuen Mediums nutzen und die Nachteile ausschließen, so die sphinxartige Formel, die derzeit vielfach vom MII an Stelle klarer Aussagen über neue Regulierungen für Internetinhalte und Investitionsmöglichkeiten bemüht wird.
ISOC-Chef Heath wagte neben vielen Bemerkungen zu Chinas Bedeutung für die Zukunft des Internet insgesamt immerhin eine kritische Bemerkung am Rande. Das Recht auf freue Meinungäußerung werde im Westen viel stärker gehütet, sagte Heath, "das ist manchmal recht unangenehm für die Herrschenden."
Über 120 Redebeiträge, ein chinesisch-kanadisches Forum zu E-Commerce, ein US-chinesisches Netzwerk-Sicherheitsforum und rund 100 Aussteller erwarten auf der INET vier Tage lang Chinas E-Elite. Zur gleichen Zeit fand eine Veranstaltung zum Thema Risikokapital und E-Startups in Peking und eine UN-Veranstaltung zur "Informatisierung" asiatischer Städte in Shanghai statt. (Monika Ermert) (jk)