Buch ohne Grenzen

Hinter dem neuen Werk "Endgame" des US-Autors James Frey verbirgt sich ein Rätsel und dem Gewinner winkt ein Goldschatz. Das Buch lenkt den Blick auf die Zukunft des Erzählens: als Multimedia-Spektakel, das weit über die Buchdeckel hinausgeht.

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  • Jens Lubbadeh

Hinter dem neuen Werk "Endgame" des US-Autors James Frey verbirgt sich ein Rätsel und dem Gewinner winkt ein Goldschatz. Das Buch lenkt den Blick auf die Zukunft des Erzählens: als Multimedia-Spektakel, das weit über die Buchdeckel hinausgeht.

Mit der Autobiografie „A Million Little Pieces“ landete US-Autor James Frey 2003 einen Bestseller. Mit der Fortsetzung knüpfte er an den Erfolg an. Der angeblich schonungslose Bericht seiner Drogensucht sorgte jedoch für einen Skandal, als herauskam, dass Frey Dinge übertrieben oder erfunden hatte. Nach einer Auszeit gelang ihm mit zwei weiteren Romanen das Comeback. Mit „Endgame“ betritt er Neuland. In dem Werk verbirgt sich ein Rätsel, dem Gewinner winkt ein Goldschatz. Die Handlung: Zwölf Jugendliche müssen ein von Außerirdischen gestelltes Rätsel lösen und sich in einem Endkampf behaupten. Nur der Stamm des Siegers überlebt. Die Geschichte ist wenig fesselnd, zu pathetisch erzählt, die Protagonisten bleiben schablonenhaft. Und doch lenkt das Werk den Blick auf die Zukunft des Erzählens: als Multimedia-Spektakel, das weit über die Buchdeckel hinausgeht.

TECHNOLOGY REVIEW: „Endgame“ ist ein multimediales Werk: Es gibt das Buch, ein Rätsel, eine globale Schatzsuche, ein Augmented-Reality-Spiel und einen Film. Warum haben Sie sich für diese Vorgehensweise entschieden?

FREY: Es ist die Zukunft. Seit zehn, fünfzehn Jahren wird darüber debattiert, wie man eine Geschichte über mehrere Medien auf neue Art und Weise erzählen könnte. Ich habe es getan.

Crossmedialität selbst ist nichts Neues. Neu ist, dass Sie alles auf einmal machen. Warum?

Um die Erfahrung zu verstärken. Vorbild war für mich das „Star Wars“-Universum: Ich kann mit meinem sieben Jahre alten Sohn die Filme und die Zeichentrickserie sehen, mit den Figuren spielen, die Bücher lesen. So wollen die Leute heutzutage Unterhaltung konsumieren, Bücher reichen nicht mehr. Ich wollte bei „Endgame“ all diese Möglichkeiten bieten, um die Geschichte intensiver zu erzählen und das Universum weiter auszubauen. Die Charaktere des Buchs haben außerdem Profile auf Twitter und Google+. Die Feeds haben wir ein Jahr vor Veröffentlichung des Buches gestartet. Es liegt eigentlich auf der Hand, so etwas zu tun, aber es hat noch niemand zuvor getan.

Sieht so Literatur im 21. Jahrhundert aus?

Mit Sicherheit. Die Erfindung des Buchdrucks hat das Schreiben und Veröffentlichen vor langer Zeit revolutioniert. Für mich stellen Geräte wie Smartphones und Tablets eine noch größere Revolution dar. Sie werden verändern, wie Menschen Geschichten erzählen werden. Schauen Sie, in den USA haben sich die Dinge schon ziemlich verschoben. Mehr als die Hälfte aller verkauften Bücher sind E-Books. Das wird weiter wachsen, ein Zurück gibt es nicht.

Auch ein E-Book ist immer noch ein Buch.

Ja, aber Technologie fließt immer stärker in die Literatur ein. Vielleicht bin ich schneller als andere, aber schauen Sie hier (er hält sein iPhone hoch): Wir nehmen diese Geräte für selbstverständlich. Damit habe ich Zugriff auf das gesamte Wissen der Welt, jederzeit, per Fingerdruck. Ich kann mir jeden Ort der Welt innerhalb von Sekunden ansehen. Es ist ein unglaubliches Gerät. Man kann Geschichten darüber erzählen.

(jlu)