Monetarisierung durch Erpressung
WhatsApp verlor nach der Einführung der Paywall jede Menge User. Seit diesem Zeitpunkt ist das Geschäftsmodell der "progressive degeneration" unbeliebt. Dass WhatsApp aufgrund seiner Marktsituation eine Ausnahme war, fällt in der Diskussion viel zu oft unter den Tisch.
- Tam Hanna
WhatsApp verlor nach der Einführung der Paywall jede Menge User. Seit diesem Zeitpunkt ist das Geschäftsmodell der "progressive degeneration" unbeliebt. Dass WhatsApp aufgrund seiner Marktsituation eine Ausnahme war, fällt in der Diskussion viel zu oft unter den Tisch.
Meiner Meinung nach ist das unberechtigt. Schon früher galt es als "en vogue", den Nagscreen nicht permanent anzuzeigen. Die Nutzer gaben so immer mehr Daten in das Programm ein und wurden so aufgrund der Größe des Datenbestands "Geiseln" der Applikation.
Kurz zur Vorgeschichte: WhatsApp beschloss, seine Dienste fortan nicht mehr kostenfrei anzubieten. Da die Kunden in Netzwerke eingebunden sind, ging man davon aus, dass sie alternativlos zahlen würden. Aufgrund massiver Verluste im Bereich der Nutzerzahlen wurde das "eingestellt": Nutzer bekommen "auf Kulanz" kostenfreie Verlängerungen.
Dazu ein wenig Theorie: IM-Programme leben von einer als Netzwerkeffekt bezeichneten Besonderheit. Die Nützlichkeit eines derartigen Produkts steigt mit dem Quadrat der Nutzerzahl: Wer einige User verliert, schädigt dadurch auch die verbleibenden und zahlungswilligen Kunden.
Im Fall einer Standalone-Applikation trifft dies nicht zu. Wenn ein Berechnungs- oder Buchhaltungsprogramm nach vorheriger Warnung den Dienst einstellt und dadurch Nutzer verliert, tangiert das die anderen Kunden nur peripher. Der Entwickler tauscht somit für ihn wertlose Nichtzahler gegen (weniger) Zahler – 1.000.000 mal null ist weniger als 10.000 mal fünf.
WhatsApp könnte sich mit einer statistischen Maßnahme monetarisieren. Das Unternehmen weiß ja, wer das Produkt benutzt und mit wem er verbunden ist. Im Allgemeinen ist das Feststellen von am Telefon installierten Konkurrenzprogrammen nicht schwierig. Anhand dieser Daten könnte man einen "Kann-Fliehen"-Score berechnen, der danach über Gewährung oder Nichtgewährung einer Kulanzverlängerung entscheidet. ()