SchĂĽler wollen mehr Informatik

Laut Umfragen des IT-Verbandes Bitkom ist die Nachfrage nach Informatik unter den SchĂĽlern in den vergangen Jahren stark angestiegen.

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SchĂĽler wollen mehr Informatik
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Von
  • Tim Gerber

Schüler wünschen sich zu einem immer größeren Teil Informatik als Pflichtfach an ihren Schulen. Dies teilte der IT-Branchenverband Bitkom unter Berufung auf eine in seinem Auftrag vom Institut Aris durchgeführte Befragung mit. Sie fand Ende 2014 unter insgesamt 512 Schüler ab 14 Jahren an weiterführenden Schulen statt. Demnach wünschen sich drei Viertel (75 Prozent) der Schüler Informatik als Pflichtfach bereits in den Klassen 5 bis 10, lediglich 8 Prozent lehnten dies ausdrücklich ab. Bei einer Umfrage des Bitkom im Jahre 2010 hätten sich noch 23 Prozent der Schüler ablehnend geäußert und nur 53 Prozent der befragten Schüler der Einführung eines Pflichtfaches zugestimmt.

Besonders hoch ist die Nachfrage nach Informatik-Unterricht an den Hauptschulen (83 Prozent), wohingegen die Forderung nach einem Pflichtfach an Gesamtschulen nur bei 78 Prozent der befragten Schüler Zustimmung findet, an Realschulen und Gymnasien lediglich bei 73 Prozent. Von dieser starken Nachfrage sei sein Verband selbst überrascht gewesen, räumte ein Bitkom-Sprecher auf Nachfrage von heise online ein. Welche konkreten Erwartungen die Schüler mit dem Fach Informatik verbinden, sei daher bislang nicht untersucht worden.

Nach Bitkom-Angaben unterstützen 73 Prozent der Lehrer und 85 Prozent der Eltern mit schulpflichtigen Kindern die Forderung. Initiativen wie "Start Coding" oder "erlebe it" sind nach Ansicht des Verbands eine wichtige Ergänzung, aber keine Alternative zu einem verpflichtenden Informatik-Unterricht.

Auch die Kultusminsterkonferenz (KMK), das ständige Gremium der für Bildung und Schule zuständigen Landesminister, sieht die informationstechnische Grundbildung als wichtig an. Es komme dabei aber auch auf die Zusammenarbeit von Schule und Elternhaus sowie von Politik, Wirtschaft und Kultur an, teilte KMK-Sprecher Torsten Heil heise online mit. Es gehe darum, Interesse für technische Entwicklungen zu wecken und junge Menschen zu ermutigen, unkonventionelle Ideen zu entwickeln und neue Wege einzuschlagen.

Konkrete Vorgaben in Bezug auf Pflichtfächer und Stundenumfänge mache die KMK aber nur für die Basisfächer Deutsch, Mathematik und Fremdsprachen. Einheitliche Prüfungsanforderungen für die Abiturprüfung Informatik wurden bereits 2004 verabschiedet. Einzelne Aufgabenbeispiele sehen auch das Programmieren vor. Weiter weist die KMK auf ihre grundlegenden Empfehlungen zur Stärkung der mathematisch-naturwissenschaftlich-technischen Bildung aus dem Jahr 2009 hin, in der es ebenfalls bereits um Informatik gehe.

Die Einführung eines Pflichtfachs in den Klassen 5 bis 10 sei jedoch Sache der einzelnen Länder. Dort werde Informatik unterschiedlich als Pflichtfach, Wahlpflichtfach oder in Form von Arbeitsgemeinschaften angeboten. In der gymnasialen Oberstufe könne Informatik – auch als Abiturprüfungsfach – gewählt werden. Digitales Lernen und Medienbildung gehören laut KMK als Schlüsselkompetenz zum allgemeinen Bildungsauftrag von Schule. Sie seien gemäß eines Beschlusses der KMK zur Medienbildung zugleich fester Bestandteil der Lehreraus- und Fortbildung. (tig)