Möglicher Fehlstart für neue Mobilfunkgeneration in den USA
Ursprünglich sollten die Frequenzbänder für die nächste Generation des Mobilfunks in den USA ab dem 6. September dieses Jahres versteigert werden.
Ursprünglich sollten die Frequenzbänder für die nächste Generation des Mobilfunks in den USA ab dem 6. September dieses Jahres versteigert werden. Die Federal Communications Commission (FCC) hat die Auktion nun aber auf das nächste Jahr verschoben: Neuer Starttermin ist der 6. 3. 2001. Offizielle Begründung der FCC: Man wolle den Bietern mehr Zeit zur Vorbereitung und Planung geben.
William E. Kennard, Chef der amerikanischen Regulierungsbehörde, erklärte in einem Statement, eine Verlegung des Termins sei für eine vernünftige Verwaltung des Frequenzspektrums notwendig. Viele der an den Lizenzen interessierten Firmen hätten um eine Verschiebung gebeten, da sie mehr Zeit bräuchten, Geschäftspläne für die neue Mobilfunkgeneration zu entwickeln. Außerdem werde die Situation für die Firmen dadurch kompliziert, dass die für die Versteigerung vorgesehenen Frequenzen (747 bis 762 MHz und 777 bis 792 MHz) bislang von TV-Sendern benutzt werden. Zumindest zwei Mitglieder der FCC sehen die Situation aber ganz anders: Sie pochen darauf, dass die FCC auf die Vorgaben des US-Kongresses verpflichtet sei und nicht einfach den Zeitplan umwerfen könne, um den Firmen bessere Gewinnchancen zu bieten und höhere Einkünfte für den Staat aus der Auktion zu erzielen.
Bislang jedenfalls wollen die TV-Sender, die die vorgesehenen Frequenzen belegen, diese keineswegs aufgeben – und die Verträge mit den Anstalten laufen erst 2006 aus, und das auch nur, wenn mindestens 85 Prozent des TV-Bereichs, in dem sie senden, bis dahin digitalisiert ist. Eine Telekom-Firma, die eine Lizenz für eine solche Frequenz ersteigerte, müsste also möglicherweise noch knapp 6 Jahre oder länger warten, bis sie mit dem neuen Mobilfunk in den USA an den Start gehen könnte: Keine sehr attraktive Vorstellungen angesichts der hohen Lizenzpreise, die auch in den USA erwartet werden, und den notwendigen Infrastrukturinvestitionen. Bislang ging die FCC einfach davon aus, die Telekom-Firmen, die eine Lizenz ersteigern, würden sich schon mit dem TV-Companies einigen. Das Wall Street Journal berichtet nun, die Mobilfunkanbieter befürchteten, die TV-Sender würden exorbitant hohe Summen für die Freigabe der Frequenzen verlangen. Potenzielle Bieter hätten daher der FCC erklärt, die Situation sei unhaltbar.
Kennard will nun offensichtlich etwas mehr Zeit haben, um Vorkehrungen zu treffen, damit die Lizenzen für die Telekom-Firmen nicht wertlos werden. Nach seinen Worten denkt er daran, ein "besseres Management des Frequenzspektrums" zu realisieren, etwa mittels einer Art Unter-Vermietung bestimmter Bereiche durch die gegenwärtigen Frequenz-Nutzer. Viel Zeit bleibt Kennard allerdings auch nach der Verschiebung der Auktion nicht mehr. US-Firmen beschweren sich bereits darüber, dass sie nun bei der nächsten Mobilfunkgeneration gegenüber den Europäern und Japanern durch Mangel an verfügbaren Frequenzen ins Hintertreffen geraten könnten: Die Auktionen für die UMTS-Frequenzen in Europa laufen oder sind bereits abgeschlossen, in Japan will die NTT DoCoMo bereits Anfang 2001 mit UMTS starten. Und die US-Mobilfunkunternehmen sehen schließlich mit Sorge, dass europäische Hersteller und Anbieter ihnen schon bei den gegenwärtigen Handy-Techniken den Rang ablaufen. (jk)