Post aus Japan: Und es werde teures Licht
Der Besuch einer Beleuchtungsmesse erklärt, warum chinesische LED-Hersteller in Japan kein Bein auf den Boden kriegen. Japaner kaufen lieber teurere, höherwertige Lampen japanischer Hersteller.
- Martin Kölling
Der Besuch einer Beleuchtungsmesse erklärt, warum chinesische LED-Hersteller in Japan kein Bein auf den Boden kriegen. Japaner kaufen lieber teurere, höherwertige Lampen japanischer Hersteller. Oder ganz billige Glühlampen.
Japan probiert mit Elektronik seit jeher alles Mögliche aus – und oft auch das Unmögliche. Jeden Donnerstag berichtet unser Autor Martin Kölling an dieser Stelle über die neuesten Trends.
Ich gestehe. Ich bin ein Fan von LED-Lampen. Seit Jahren beleuchtet eine der ersten Birnen von Sharp meinen Schreibtisch. Und die Lampe ist noch heute ein Clou. Per Fernbedienung kann ich sie nicht nur dimmen, sondern auch ihren Farbton verändern. Auch meine Wohnzimmerbeleuchtung besteht inzwischen aus einer LED-Leuchtanlage mit verschiedensten Lichttönen und Leuchteffekten vom grellen, blauweißen Studierlicht bis hin zur schummerigen und indirekten Kino-Beleuchtung.
Ich bin daher Stammgast auf Beleuchtungsmessen wie der "Lighting Japan", die vorige Woche in Tokio stattfand. Und was mir besonders auffiel, war das Fehlen der großen japanischen LED-Hersteller wie Panasonic, Toshiba, Sharp oder NEC. Die Pioniere der LED-Bewegung stellen ihre Produkte lieber gleich in den Supermarkt. Stattdessen boten vor allem chinesische Hersteller ihre Waren feil. Darunter waren durchaus sehenswerte Leuchtkörper. Einer der wichtigsten Messetrends waren für mich LED-Lampen, die Glühlampen gleichen. Immer mehr Anbieter spannen die leuchtenden Halbleiter wie Glühfäden unter Klarglas auf, um dem Licht noch einen weiteren ästhetischen Reiz zu geben. Hübsch anzusehen, finde ich.
Mein Problem: Die Lampen werden ihren Weg mit Sicherheit nach Deutschland finden. Aber in Japan werde ich diese Lampen chinesischer Anbieter wahrscheinlich kaum im Kaufhausregal finden. "Es ist sehr schwer, in den japanischen Markt einzudringen", klagte ein chinesischer Aussteller. Der Grund ist nicht Konsumnationalismus, sondern neben der großen Konkurrenz der japanischen LED-Riesen die japanische Wertschätzung für Qualität.
Chinesische LED-Lampen mögen deutlich billiger sein. Je nach Wechselkurs kosten japanische LED-Lampen, die so hell wie eine 60-Watt-Glühbirne leuchten, so ab zehn bis zwölf Euro aufwärts. Chinesische Produkte sollten nur die Hälfte kosten, rechnete mir ein chinesischer Verkäufer vor. Aber bislang hielten sie eben nicht die 40.000 Stunden, die japanische Hersteller versprechen. Zudem war die Lichtfarbe verschiedener Lampen aus einer Produktion oft nicht so gleichmäßig wie die von Lampen aus japanischer Produktion.
Nicht, dass die meisten Japaner die superlange Lebenszeit wirklich bräuchten. Denn eine moderne Flur- oder Klo-Lampe könnte ein japanisches Einfamilienhaus überleben. Das wird im statistischen Schnitt alle 30 Jahre neu gebaut. Eine LED-Lampe, die täglich zwei Stunden brennt, hat dann erst knapp über die Hälfte ihres Plans erfüllt. Aber wenigstens japanische Händler und meiner Einschätzung nach auch die meisten Kunden sind bereit, mehr für hochwertigere Lampen, selbst wenn billigere es ebenfalls tun würden.
Mein Fazit: Die Geiz-ist-geil-Bewegung hat in Japan bisher nicht Fuß fassen können. Und dies gilt nicht nur bei Lampen. Bei Autos greifen Japaner sehr zur Freude von VW, Mercedes und BMW tendenziell eher zur höheren Motorisierung und zur besseren Ausstattung als deutsche Käufer. Auch der Maschinenbau freut sich darüber, dass japanische Kunden generell eher bereit als die Abnehmer in anderen Märkten sind, etwas mehr für höhere Qualität zu bezahlen. Die Jagd nach Mini-Preisen auf Kosten der Qualität ist kein Naturgesetz. ()