Kommentar: Wir brauchen keine Hologramme, wir brauchen ein besseres Windows

Windows 10 kommt mit Hologrammen und einer sprechenden Assistentin. Dabei brauchen wir statt Gimmicks ein solideres, sichereres Windows, findet Fabian Scherschel.

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Kommentar: Wir brauchen keine Hologramme, wir brauchen ein besseres Windows
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Von
  • Fabian A. Scherschel

Ganz am Anfang seiner Ankündigung zum neuen Windows lobt Microsoft einmal kurz großspurig die neuen Sicherheitsmaßnahmen in Windows 10 – um danach zwei Stunden lang Sicherheit nicht ein einziges Mal mehr zu erwähnen. Die Windows-Macher versprechen uns Hologramme, dabei brauchen wir viel dringender ein Windows, dessen Updates funktionieren.

Ein Kommentar von Fabian A. Scherschel
Ein Kommentar von Fabian A. Scherschel

Fabian A. Scherschel schrieb von 2012 bis 2018 als Redakteur täglich für heise online und c't, zuerst in London auf Englisch, später auf Deutsch aus Hannover. Seit 2019 berichtet er als freier Autor und unabhängiger Podcaster über IT-Sicherheit, Betriebssysteme, Open-Source-Software und Videospiele.

Wenn Windows-Chef Terry Myerson sagt, dass "die Angriffe, die kürzlich Schlagzeilen gemacht haben", mit der "neuen Hardware-basierten Sicherheit in Windows 10" nicht passiert wären, spielt er damit ganz klar auf Hacks an wie bei Sony Pictures. Was aber soll das für eine neue, magische Sicherheitstechnik sein, die perfide Spearfishing-Angriffe und Zeroday-Lücken in Windows aufhalten kann? Wir werden es an diesem Abend nicht erfahren. Stattdessen zeigt man uns Spielereien mit dem Sprachassistenten Cortana und mit einer neuen Hologramm-Brille.

Microsoft hat den Blick für das Wichtige in Windows verloren. Unter dem Stichwort "Produktivität" präsentiert man uns nur Spielereien. Was die Produktivität eines jeden Nutzers hingegen wirklich steigern würde: Wenn man nicht gefühlt nach jedem zweiten Update den Rechner neu starten müsste. Oder wenn Windows einen Virenscanner eingebaut hätte, der unbemerkt im Hintergrund läuft und auch wirklich alles einfängt, was dem Nutzer schaden will. Oder gar ein Windows, das so gebaut ist, dass Viren und Trojaner erst gar keinen Fuß in die Tür bekommen.

Ein Schritt in die richtige Richtung wären ja schon regelmäßige Sicherheitsupdates, wie sie jede Linux-Distribution liefert – in der Sekunde, in der ein Patch verfügbar ist, und nicht erst am nächsten monatlichen Patchday. Microsoft beschwört eine neues Level des Personal Computing. Wie schön wäre es, wenn ab jetzt die Windows-Patches nicht mehr in einem Update-Kabarett ausarten würden, in dem Microsoft selbst die Patches mehrmals patchen muss...

Statt Windows zu vereinfachen macht Microsoft das Ganze allerdings noch komplexer und baut zusätzliche Anwendungen ein. Die Bugs darin müssen dann wieder gepatcht werden – und dabei hat die Firma gerade in jüngster Zeit wieder einmal gezeigt, dass sie das nicht kann.

Microsofts Windows 10 Event (13 Bilder)

Windows 10 kommt noch in diesem Jahr.

(fab)