Wann werden Netflix und Co. so gut wie Popcorn Time?

Filmliebhaber haben's immer noch nicht leicht. So gut Watchever, Netflix und Co. mittlerweile schon sein mögen - sie bieten immer noch nicht das, was Cineasten suchen: Einen legalen und kundenfreundlichen Zugriff auf eine fundierte Filmbibliothek.

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Von
  • Jens Lubbadeh

Filmliebhaber haben's immer noch nicht leicht. So gut Watchever, Netflix und Co. mittlerweile schon sein mögen - sie bieten immer noch nicht das, was Cineasten suchen: Einen legalen und kundenfreundlichen Zugriff auf eine fundierte Filmbibliothek.

Es ist einfach zum Haareraufen. Da gibt es eine Software, die einem als Cineast alle Wünsche erfüllt – aber natürlich ist sie illegal. Popcorn Time ist elegant, simpel zu bedienen und bietet ein Sortiment, das selbst Liebhaber von Klassikern nicht enttäuscht. Das Ganze noch wahlweise in 720 oder 1080p, in Originalversion und mit Untertiteln in verschiedensten Sprachen zur Auswahl. Popcorn Time ist nahezu perfekt – aber eine Option ist es nicht, weil letztlich illegale Torrent-Downloads dahinter stecken. Das erinnert an die Situation vor 15 Jahren, als Napster in Sachen Musik vormachte, wie Kundenfreundlichkeit aussieht. Was die Musikindustrie nicht schaffte – ein kundenfreundliches Download-Portal mit vernünftigem Bezahlmodell aufzusetzen – gelang erst einige Jahre später Apple mit dem iTunes-Store.

Und wieder schafft es eine Industrie nicht, die BedĂĽrfnisse ihrer Kundschaft zu erfĂĽllen. Statt dass Disney, Universal, 20th Century Fox, Sony Pictures und Time Warner sich mal zusammentun um ein Filmportal aufzusetzen, mĂĽssen es wieder Drittanbieter richten. Ja, es gibt iTunes, Watchever, Netflix, Maxdome und Amazon Prime. Sie alle bieten mittlerweile Zugriff auf ein solides Angebot. Nur: So richtig das Gelbe vom Ei ist keines der Angebote.

Vor allem nervt mich die Intransparenz der meisten. Watchever, Netflix und Amazon zwingen mich, die Katze im Sack zu abonnieren. Bevor ich mich an eines dieser Angebote binde, möchte ich doch wissen, was es mir bietet. Was nützt es mir, ein Abo bei Watchever oder Netflix abzuschließen, 8 oder 9 Euro im Monat zu zahlen, nur um dann festzustellen, dass ich „2001“, „Planet der Affen“ und „Manhattan“ trotzdem nicht bekomme.

Das kann man bei Netflix, Watchever und Amazon vorher nicht herausfinden, denn bevor ich mich nicht angemeldet habe, kann ich nicht mal im Archiv nach Filmen suchen. Journalistische Tests der einzelnen Angebote helfen mir in dieser Hinsicht leider auch nicht weiter. Nein, Netflix, Watchever und Amazon Prime zwingen mich zur Anmeldung, bevor sie ihre Pforten öffnen. Immerhin bieten sie Probemonate an. Aber wer weiß, ob ich nicht bis an mein Lebensende mit Werbung zugeballert werde, wenn sie einmal im Besitz meiner Daten sind.

Rühmliche Ausnahme ist Maxdome: Da kann man tatsächlich einfach in der Bibliothek suchen. Das tue ich und finde schnell heraus, dass im 7,99-Euro-Monatspaket natürlich nicht „2001“, „Planet der Affen“ und „Manhattan“ enthalten sind. Dafür kann ich dann nochmal extra zahlen, 2,99 Euro für 48 Stunden. Heißt für mich aber: Ein Abomodell wird nicht das abdecken können, was ich suche. Und ich befürchte, dass es bei Netflix, Watchever und Amazon auch so sein wird.

Das heißt aber für mich auch: Die Streaming-Angebote, so gut sie auch mittlerweile geworden sind, können mir noch nicht das bieten, was ich möchte. Da lass ich mir lieber weiterhin von verleihshop.de DVDs liefern. Das kostet genauso viel, ich habe eine Woche Zeit, um sie mir auf Festplatte zu rippen und sie dann in Ruhe anzusehen – mit Originalsprache inklusive.

Vielleicht gibt es ja irgendwann die Kultur-Flatrate nach GEZ-Vorbild. Die BĂĽrger zahlen einen Betrag X im Monat. Die Einnahmen werden nach einem gerechten und intelligenten Verfahren unter den Konzernen verteilt. Und dafĂĽr kann man bei Popcorn Time schauen, was man will. Legal und bequem. (jlu)