Elektropolis Berlin: Vom Zeigertelegrafen zum Smartphone
Nach gründlicher Überarbeitung wird die Abteilung Nachrichtentechnik des Deutschen Technikmuseums in Berlin am Freitag wieder geöffnet.
(Bild: © SDTB/ Historisches Archiv, Foto: Telefunken-Archiv)
In seinem Roman „Elektropolis“ schilderte der Schriftsteller Otfried von Hanstein 1928 eine "Stadt der technischen Wunder" tief in der australischen Wüste. 1974 übertrug Sigfrid von Weiher, Leiter des Münchner Siemens-Archivs, den Namen auf Berlin und erfasste damit die Bedeutung der Stadt für die deutsche Industriegeschichte. "Elektropolis Berlin" heißt außerdem die neue Ausstellung zur Geschichte der Nachrichtentechnik, die seit dem heutigen Freitag im Deutschen Technikmuseum zugänglich ist.
Die 300 Quadratmeter große Schau liegt zwischen den Konrad-Zuse-Computern und der Textiltechnik im 1. Obergeschoss des Berliner Museums und existiert schon seit 1993. Während einer längeren Schließung wurde sie inhaltlich erneuert und grafisch überarbeitet, und überall erstrahlen jetzt energiesparende LED-Lämpchen. Verantwortlich für die Konzeption, an der das Berliner Zentrum für Industriekultur mitwirkte, sind Abteilungsleiter Joseph Hoppe und seine Kollegin Nora Lackner.
Von den Anfängen bis zum iPhone
Die Ausstellung beginnt im Studio der "Berliner Abendschau" von 1958, das durch eine futuristische Kuba-Komet-Truhe und einige Fernseher ergänzt wurde. Zu sehen ist auch die Goldene Kamera, die die "Rundfunk- und Fernsehstadt Berlin" anno 1987 gewann. Auf die TV-Urzeit mit Nipkowscheibe und Spiegelrad folgen die Entwicklung des Telefons – in der Vitrine liegt ein Originalgerät von Alexander Graham Bell aus dem Jahr 1877 – und der Tonspeicherung. Der Bereich Telegrafie führt unter anderem die optische Zeichenübertragung vor und erinnert an Werner von Siemens, der 1847 kaum 300 Meter vom Standort des Museums entfernt seine "Telegraphen Bau-Anstalt" gründete.
Elektropolis Berlin (11 Bilder)

(Bild: Ralf Bülow)
Den Abschluss des Durchgangs bildet die drahtlose Kommunikation. Hier wird zum Beispiel ein Modell des Vox-Hauses gezeigt, das am Potsdamer Platz stand und in dem 1923 der Rundfunkbetrieb in Deutschland begann. Das Kapitel vergisst aber auch nicht die dunklen Seiten der Elektropolis und berichtet ausführlich über Helmuth Hübener, einen jungen Hamburger, der im Krieg regelmäßig BBC hörte und ihre Sendungen in Flugschriften umsetzte. Er wurde 1942 verhaftet und vom Berliner "Volksgerichtshof" zum Tode verurteilt.
Die neueröffnete Abteilung folgt der traditionellen objektorientierten Präsentationsweise und konzentriert sich dabei auf Berliner Innovatoren und Innovationen. Obwohl nicht aus der Hauptstadt stammend, erscheint das iPhone von Apple als Höhe- und Endpunkt von zwei Jahrhunderten Technikgeschichte. Aktuelle politische und geheimdienstliche Aspekte der Mediennutzung wie auch die Verschmelzung von Nachrichten- und Computertechnik werden dann – hoffentlich – in der großen "Netz"-Ausstellung zu finden sein, die das Deutsche Technikmuseum für August 2015 plant. (mho)