Neue Rekorde: Gasballon schafft es über den Pazifik

Nach 15 Jahren Vorbeitung haben ein Russe und ein Amerikaner zwei alte Ballonfahrt-Rekorde gebrochen. Ihnen gelang die weiteste und die längste Non-Stop-Fahrt in einem Gasballon.

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Ballonhülle von unten

Blick von Unten in die fast 10.000 Kubikmeter fassende Hülle des Gasballons der Two-Eagles-Mission.

(Bild: Two Eagles)

Lesezeit: 3 Min.

160 Stunden und 38 Minuten haben Leonid Tiukhtyaev und Troy Bradley in einer winzigen Kapsel ausgeharrt, während sie mit einem Gasballon von Japan nach Mexiko gefahren sind. Damit hat das russisch-amerikanische Duo mit seiner "Two Eagles"-Mission den bisherigen Rekord aus dem Jahr 1978 von gut 137 Stunden deutlich gebrochen. Auch das Kernziel der Mission, den bisherigen Distanzrekord von 8383 Kilometern aus dem Jahr 1981 zu überbieten, haben sie mit 10.696 Kilometern erreicht. Das hat das Neumexiko angesiedelte Kontrollzentrum mitgeteilt.

Der mit Helium gefüllte Gasballon ist am gestrigen Samstag erfolgreich zirka sechs Kilometer vor der Küste Mexikos im Meer gewassert. Ein Fischerboot hat die beiden Ballonfahrer samt Hülle, Kapsel und Ausrüstung geborgen und im Bundesstaat Niederkalifornien an Land gebracht. Noch am Sonntag soll die Gruppe im Internationalen Ballonmuseum in Albuquerque in Neumexiko eintreffen, wo das Kontrollzentrum untergebracht ist.

Two Eagles (14 Bilder)

Die Kapsel

In der winzigen Kapsel müssen unter anderem Kommunikations- und Navigationsgeräte, eine Heizung, Wasser und Nahrung für mindestens zehn Tage, und die beiden Ballonfahrer Platz finden.
(Bild: Two Eagles)

In der Stadt wurde auch die schwimmfähige Kapsel hergestellt, die aus Kevlar- und Kohlenstofffasern besteht und nur etwa 100 Kilogramm wiegt. Sie ist 7 Fuß (ca. 2,1 Meter) lang und lediglich jeweils 5 Fuß breit und hoch (ca. 1,5 Meter). Nur unter der Ausstiegsluke konnte jeweils einer der beiden Ballonfahrer aufrecht stehen. Die Aussicht konnten sie nur bei den notwendigen Ausstiegen erleben. Die in den Seitenwänden der Kapsel eingelassenen Luken sind nämlich winzig.

Die Ballonhülle fasst annähernd 10.000 Kubikmeter und wiegt 669 Kilo. Weil die Sonne das Helium erwärmt, stieg der Ballon bei Tag höher und sank bei Nacht wieder ab.Der Ballon hätte bis zu zehn Tage in der Luft bleiben können. Den weitaus größten Gewichtsanteil hatte der Ballast. Beim Start in Japan waren es 5,2 Tonnen.

Weil die Kapsel nicht über ein Drucksystem verfügt, mussten der 50 Jahre alte Bradley und sein 58jähriger Kollege Tiukhtyaev viel aus Sauerstoffflaschen atmen. Beide Männer sind ausnehmend erfahrene Ballonfahrer und haben in der Vergangenheit bereits verschiedene Rekorde gebrochen. Bradley, Eigentümer einer Ballonfirma, fuhr 1992 als Erster von den USA nach Afrika. Tiukhtyaev, von Brotberuf Bankier, ist Präsident der russischen Ballonföderation.

Diesen Weg legte der Ballon zurück.

(Bild: Two Eagles)

Am Mittwoch sah so aus, als würde der Ballon bei Vancouver Island in Britisch Kolumbien, Kanada, Land erreichen. Er sollte dann, um die Rekorde aufzustellen, weiter landeinwärts fliegen und schließlich in den nördlichen USA landen. Freiwilligenteams warteten sowohl in Kanada als auch den USA, um gebenenfalls bei der Landung zu helfen. Dann aber trieben geänderte Windverhältnisse den Ballon gen Süden, die Westküste Nordamerikas entlang. Schließlich glückte die Wasserung an der mexikanischen Küste. (ds)