Rabattmarken für Jäger und Sammler im Internet
Hintergrund: Virtuelle Rabattmarken erleben einen ungeahnten Boom, Verbraucherschützer sind allerdings skeptisch.
Das Prinzip klingt einfach: Man kauft etwas, was man ohnehin kaufen würde, sammelt Bonuspunkte und wird dafür belohnt. Rabattmarken und -heftchen haben nicht nur in Großbritannien Konjunktur, wo selbst die Queen Supermarktcoupons aus der Zeitung sammeln soll, sondern sind auch im deutschen Handel im Trend. "Rabattmarken erleben eine gewisse Renaissance", sagt Hubertus Pellengahr vom Hauptverband des Deutschen Einzelhandels in Köln. Seit einem Jahr gibt es in Deutschland auch die digitale Variante im Internet, und die ist – zumindest aus Sicht der Unternehmen – sehr erfolgreich.
Wer im Internet einkauft, kann sich vorher kostenlos bei den Anbietern von digitalen Rabattmarken registrieren lassen. Je nach Einkaufswert erhält der Kunde Punkte. Diese "webmiles", "Bonuspunkte" oder "eBuxx" werden später gegen Prämien eingetauscht. Auch das schlichte Surfen wird belohnt: So gibt es schon für das Ausfüllen eines Fragenbogens Punkte. "Das ist eine Win-win-win-Situation", meint die Sprecherin des Münchner Unternehmens webmiles, Aisha Seitz. Aus dem Marketing-Deutsch übersetzt heißt das: Gut für den Internet-Kunden, für die Geschäftspartner und das Unternehmen selbst.
webmiles ("Einloggen, einsammeln, einsacken") selbst ist ein Paradebeispiel für ein so genanntes Startup-Unternehmen: das Büro im Loft, lockere Atmosphäre und ein Durchschnittsalter von 28 Jahren. Ein Jahr nach der Gründung hat webmiles 60 Mitarbeiter, mehr als 100.000 registrierte User und expandiert in London und Paris. Täglich melden sich dort nach eigenen Angaben 1.500 Surfer an und zehn potenzielle Geschäftspartner bekunden ihr Interesse.
Auch andere Anbieter wie eCollect oder bonus.net haben das Marktpotenzial erkannt und verkaufen digitale Bonussysteme an Unternehmen. Der Geschäftsführer von bonus.net, Christian Rehm, spricht schlicht von einem "Tante-Emma-Effekt" und vom "Jäger und Sammler in uns allen". Bereits knapp 100.000 User haben sich laut Rehms seit Oktober bei bonus.net angemeldet.
Für die Geschenke aus dem Prämienshop muss man allerdings hartnäckig sammeln und ein leidenschaftlicher und ziemlich kaufkräftiger Internetnutzer sein. Für einen Einkauf für 2.000 Mark bei Quelle gibt es zum Beispiel 300 webmiles, die man beispielsweise gegen ein Taschenradio einlösen kann. Bonus.net winkt mit Traumreisen und Karten für die Fußball-Europameisterschaft, webmiles mit Freikarten für die Festspiele in Bayreuth. Sogar ein Abo für Zahnbürsten oder die Insel Raspberry locken im webmiles-Prämienshop. Für diese Insel vor der kanadischen Küste müsste man allerdings etwa ungefähr 10.000 mal im Internet eine Kurzreise (im Wert von bis zu 500 DM) bei TUI buchen.
Verbraucherschützer sind beim Thema Rabattmarken eher skeptisch. "Rabattmarken sind inflationär", meint Rechtsexpertin Edda Castello von der Verbraucherzentrale Hamburg. Durch sie würde der Verbraucher weniger auf die Preise achten und sich von einer "rationalen Kaufentscheidung" entfernen. Aber: "Leider sind Verbraucher oft irrational. Wenn man sagt 'Ich schenk Ihnen was', dann setzt der Verbraucherverstand aus." (Caroline Bock, dpa) (jk)