Die digitale Handschrift 2.

Ich habe meine Handschrift bei MyScriptFont digitalisiert. Word erkennt den neuen Font auch, doch die getippte Handschrift sieht mau aus.

vorlesen Druckansicht
Lesezeit: 3 Min.
Von
  • Veronika Szentpetery-Kessler

Ich habe meine Handschrift bei MyScriptFont digitalisiert. Word erkennt den neuen Font, doch die getippte Handschrift sieht mau aus.

Letzte Woche habe ich über den Bond-Roboter aus New York gebloggt, der persönliche Handschriften erlernt und dann nach getippten Vorlagen mit einem echten Füller Briefe schreibt. Der Dienst erfordert aber das Einsenden einer Schriftprobe und ist mit 200 Dollar für das Trainieren des Bots nicht gerade günstig. Daher hab ich als nächstes wie versprochen den Dienst MyScriptFont getestet. Er ist kostenlos und schneller – auch wenn das Ergebnis gedruckt werden muss, das Ganze also noch weniger eine echte Handschrift ist als bei Bond.

Das Ergebnis: Es ist meine Schrift und gleichzeitig doch nicht. Es liegt nur zum Teil daran, dass jegliche verbindende Schnörkel zwischen den Buchstaben fehlen. Die gibt es in meinem Mix aus Schreib- und Druckschrift sonst auch nicht durchgehend. Aber die Schleife des kleinen „g“ sieht ungewohnt verkümmert aus. Mein kleines „h“ eine halbe Etage unter die anderen Buchstaben gerutscht. Das große „S“ wiederum schwebt zu weit oben und einige Buchstaben sind schlicht abgeschnitten.

Ich weiß ja, dass Handschrift nie so richtig gleichmäßig ist. Aber diese Abweichungen sehen doof aus. Ich tippe noch ein bisschen auf der Tastatur herum. Doch die Worte, die in meiner Handschrift auf dem Bildschirm erscheinen, gefallen mir auch nicht besser. Ich studiere die Papier-Vorlage, auf der ich meine Groß- und Kleinbuchstaben, Zahlen und Sonderzeichen in Kästchen mit Hilfslinien eingetragen habe.

Tatsächlich sind die Buchstaben dort ebenfalls verkümmert, verrutscht oder schwebend. Ich habe eben versucht, sie gewohnt schwungvoll aufs Papier zusetzen, dabei aber die Hilfslinien außer Acht gelassen. Das spiegelt sich jetzt in dem Vektor-Font wieder, der MyScriptFonts aus der gescannten und hochgeladenen Vorlage gemacht hat. Immerhin ist das Installieren der erzeugten TFF-Datei leicht, Word bietet sie auch sofort an.

Ich fülle die Vorlage ein zweites, drittes und viertes Mal aus. Mit jedem Mal wird die Schrift auf dem Bildschirm ästhetischer, weil die Buchstaben nicht mehr so mäandern und das Größenverhältnis besser stimmt. Mehr oder weniger ästhetisch, denn für die Schleifen von „g“ und „y“ bieten die Kästchen unten schlicht zu wenig Platz. Und weil ich auch immer langsamer und unnatürlicher geschrieben habe, sieht Ganze nun aus wie eine Schönschreib-Übung in der 2. Klasse.

Die Instant-Lösung „Digital- zu Handschrift“ ist eben zu instant. Für eine robotisierte Lösung muss ich wohl doch darauf warten, dass der Bond-Bot aus New York günstigere Lern-Dienste anbietet. Oder darauf, dass der deutsche Dienst Pensaki, der ebenfalls Roboter mit Füllern schreiben lässt, sein Angebot ausweitet. Bisher können Privatkunden nur vorgegebene Schreibschriften nutzen. Die persönliche Handschrift gibt es nur für Geschäftskunden. (vsz)