Ausverkaufte Premiere der microXchg in Berlin

Zum ersten Mal fand Mitte Februar in Berlin die microXchg statt, Deutschlands erste Konferenz zum derzeitigen Hypethema Microservices. Die Community-Veranstaltung wurde von einer freien Gruppe Interessierter organisiert und war mit 300 Teilnehmern ausverkauft.

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Von
  • Matthias Berla

Zum ersten Mal fand Mitte Februar in Berlin die microXchg statt, Deutschlands erste Konferenz zum derzeitigen Hypethema Microservices. Die Community-Veranstaltung wurde von einer freien Gruppe Interessierter organisiert und war mit 300 Teilnehmern ausverkauft.

Schwerpunkt der Konferenz war das Thema Microservices, zu dem nationale wie internationale Sprecher referierten und Ideen sowie Erfahrungen zusammen mit den übrigen Teilnehmern austauschten. Die microXchg zeigte auf, dass derzeit keine Referenzarchitektur existiert, dafür die Aufteilung in viele kleine Services besondere Ansprüche an Systemarchitekten stellt. Diese müssen Voraussetzungen in Unternehmen schaffen, um Ereignisse nachvollziehbar zu protokollieren sowie mess- und vergleichbar zu machen, so Richard Rodger, Maintainer des Node.js-Frameworks Seneca, in seinem Vortrag "Measuring Microservices". Zusätzlich wird wohl die Berücksichtigung von Ausnahmefällen durch die verteilten Systeme wichtiger (Latenz, Nachrichtensicherheit, Verfügbarkeit der Knoten).

Für die Mehrzahl der Referenten stellt insbesondere die sinnvolle Ermittlung des Domänenmodells und der Kontextgrenzen zum Schneiden der Services verstärkt eine Herausforderung dar. Im Eröffnungsbeitrag von James Lewis gab es einen Ausblick für Entwickler, die zukünftig auf ein breiteres Portfolio an Sprachen zurückgreifen könnten. Microservices bildeten nur einen kleinen Teil der fachlichen Anforderungen ab und ließen sich dadurch innerhalb weniger Tage mit geringerem Risiko als bisher auch in einer neuen Sprache reimplementieren, ohne zwangsläufig alten Code wiederzuverwenden. Neue Funktionen könnten schnell unabhängig von anderen Komponenten ausgeliefert und je nach Auslastung einfach horizontal skaliert werden. Zugleich übernähmen Entwickler durch die Verwendung von Mikrocontainern wie Docker und häufigeren Deployments größere Verantwortung und mehr Funktionen, die früher durch den Applikationsbetrieb sichergestellt wurden (Schlagwort DevOps).

Neben vielen zuversichtlichen Beiträgen gab es auch kritische Stimmen zu hören: So verglich Ondrej Krajicek die vorgestellten Konzepte mit Ideen der letzten 20 Jahre und stellte viele Parallelen zu RPC (Remote Procedure Call) fest. Viele Konzepte seien nicht neu und würden nun unter neuem Namen erneut aufgelegt werden.

Stefan Tilkov diskutierte im Panel mit Adrian Cockcroft, Andrea Stubbe, Fred George, James Lewis und Oliver Wegner die Herausforderungen und Vorteile von Microservices.

Zu den bekanntesten Sprechern zählten neben Lewis wohl Sam Newman von ThoughtWorks, Adrian Cockcroft, der von 2007 bis 2013 das Open-Source-Programm von Netflix verantwortete, der Autor von "POJOs in Action" und Gründer von Cloud Foundry Chris Richardson sowie Chad Fowler, CTO von Wunderlist. Daneben gab es auch Einblicke in die derzeitige Entwicklung im deutschen Markt, die Oliver Wegner von der Otto Group präsentierte.

Einige Präsentation wurden bereits auf der offiziellen Website veröffentlicht. Laut den Veranstaltern stehen ebenfalls bald Videoaufnahmen zu den einzelnen Vorträgen bereit.

In Summe lässt sich derzeit nur erahnen, in welche Richtung die Entwicklung weitergehen wird. Die vorgestellten Ansätze sind höchst individuell und ähneln sich nur in Teilen der Architektur. Daneben beschreiben Microservices derzeit vorwiegend ein Konzept zum Strukturieren geschlossener Systeme, in denen es sehr viele Freiräume gibt und zentrale Themen wie Service Discovery, Monitoring und Logging bereits gelöst oder in Vorbereitung sind (Stichwort Kosten).

Nicht zuletzt stellt sich die Frage, wie der Überblick über mehrere Hundert Services behalten wird und Doppelimplementierungen verhindert werden. Eine Mindest- oder Maximalgröße für einen Microservice
existiert nicht. Dennoch gesellt sich mit dem Prinzip der Microservices ein weiterer Lösungsweg für Systemarchitekturen hinzu, der derzeit regen Zulauf und Aufmerksamkeit erhält.

Matthias Berla
arbeitet als Berater und Entwickler bei der open knowledge GmbH. Seit Jahren nimmt er an neuen technologischen Entwicklungen teil und berät bei der Auswahl nachhaltiger Architekturen.
(ane)