Chinesische Umfrage nach Top10-Websites gefälscht

Die Umfragen nach der Beliebtheit chinesischer Websites wurden offensichtlich mehrfach unzulässig beeinflusst.

vorlesen Druckansicht 31 Kommentare lesen
Lesezeit: 2 Min.
Von
  • Monika Ermert

Die halbjährlichen Umfragen des Chinese Network Information Center (CNNIC) nach der Beliebtheit chinesischer Websites wurden offensichtlich mehrfach von Anbietern durch getürkte Online-Fragebögen beeinflusst. Die CNNIC-Statistiken galten bisher als der Gradmesser für die Entwicklung der chinesischen Internetwirtschaft.

Das staatliche chinesische Fernsehen berichtete in dieser Woche ausführlich über die Fälschung. Zwei Studentinnen der Fudan-Universität erläuterten vor laufenden Kameras, wie sie unter verschiedenen Namen den Fragebogen ausgefüllt hätten. "Wir sollten uns nur jeweils neu einwählen", sagte eine der Studentinnen. Außerdem besuchte das Fernsehteam einen Mann, der nicht einmal über einen Computer verfügte, aber laut CNNIC-Liste mit abgestimmt haben soll.

Das Nachrichtenportal Sina.com (nach bislang von offizieller Seite unbestätigten Informationen ebenfalls unter Verdacht der Umfragefälschung) veröffentlichte gestern einen anonymen offenen Brief, in dem ein Fälscher die Methoden der Unternehmen darstellt. Kundendaten holte sich sein Unternehmen aus Datenbanken und eröffnete auf dem eigenen oder einem externen Server E-Mail-Accounts. Die Sicherheitsmechanismen von CNNIC stellten für die Experten, so heißt es in dem Brief, keine großen Hindernisse dar. Zwei Mal habe sein Unternehmen so die CNNIC-Umfragen beeinflusst, ein anderes Mal einem Web-Wettbewerb, erklärte der Briefschreiber. Auch wenn inzwischen zusätzlich der Postweg mit einbezogen werde und dies Software-gestützte Fälschungen erschwere, blieben doch viele Möglichkeiten zur Manipulation: "Die Menschen blicken heute mit grossen Interesse auf die Webfirmen, aber wenn man sich das mal ein paar Jahre genau angeschaut hat, weiss man, wie die so genannte 'Attention' erzeugt wird: Durch gefälschte Nutzerzahlen, durch Programme, die die Pageview-Zahlen erhöhen und durch getürkte Rechnungsführung, die Geschäftsergebnisse verbessert." Die CNNIC-Umfragen sei nur die Spitze des Eisbergs.

Das CNNIC selbst hat inzwischen ebenfalls mit einer kurzen Stellungnahme reagiert, in der es die entsprechenden Unternehmen, deren Namen zumindest nach offiziellen Aussagen nicht bekannt sind, dazu aufforderte, derartige Verzerrung der Umfrageergebnisse sofort zu unterlassen. "CNNIC hat bei der jüngsten Umfrage bereits eine Reihe von Unregelmäßigkeiten bemerkt", informierte das Network Information Center die chinesische Presse. (Monika Ermert) (jk)