Bitkom: Mobiles Internet überholt beim Umsatz das Handygespräch

Die Netzbetreiber machen 2015 erstmals mehr Umsatz mit Datendiensten als mit dem klassischen Telefonat. Die steigende Nutzung des mobilen Internets führt zu mehr Auslastung der Netze, deren Kapazität erweitert werden soll.

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Smartphones und Tablets treiben die mobile Internetnutzung in neue Höhen.

(Bild: dpa, Oliver Berg)

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Mobile Datendienste entwickeln sich zum größten Umsatzbringern für Netzbetreiber und werden in diesem Jahr in Deutschland erstmals das Geschäft mit mobilen Sprachdiensten übertreffen. Der Branchenverband Bitkom geht von einem Zuwachs von 6,3 Prozent auf 10,3 Milliarden Euro aus, die Telekom-Firmen 2015 mit mobilen Datendiensten einnehmen werden. Dagegen werde der Umsatz mit Handy-Gesprächen um 8 Prozent auf 9,7 Milliarden Euro zurückgehen, prognostizierte der Verband am Montag. "Wir erleben in diesem Jahr eine bedeutende Umwälzung auf dem Mobilfunkmarkt", sagte Bitkom-Präsidiumsmitglied und Vodafone-Deutschlandchef Jens Schulte-Bockum. "Das mobile Internet ist zur treibenden Marktkraft geworden."

Zu den Treibern des Wandels gehören demnach der schnelle LTE-Datenfunk, die mobile Nutzung von Online-Netzwerken und Apps sowie die Digitalisierung der Industrie. Zugleich würden Handy-Gespräche durch Flatrates immer günstiger. Das Umsatzplus in Höhe von 600 Millionen Euro bei den mobilen Datendiensten könne derzeit noch nicht die Einbußen bei den mobilen Sprachdiensten in Höhe von 900 Millionen Euro kompensieren.

Bitkom-Prognose Mobiles Internet 2015 (8 Bilder)

Darüber hinaus rechnet der Verband mit einer leichten Abschwächung des Wachstums auf dem Gerätemarkt. Nach zuletzt teils zweistelligen Wachstumsraten bei Smartphones und Tablets erwartet der Bitkom, dass 2015 in Deutschland rund 24 Millionen Smartphones verkauft werden, das sind knapp 4 Prozent mehr als im Vorjahr. Bei Tablets soll der Absatz um 4,6 Prozent auf 9,1 Millionen Stück zulegen.

Als Folge der verstärkten mobilen Internetnutzung steigen auch die in den deutschen Mobilfunknetzen verarbeiteten Datenmengen weiter an. Der Bitkom rechnet mit einem Anstieg von von rund 370 auf voraussichtlich 480 Millionen Gigabyte. Die Netzbetreiber wollen die steigende Nachfrage mit mehr Kapazitäten befriedigen. Ein Baustein sind dabei die Frequenzen der sogenannten 2. Digitalen Dividende, die im Laufe des Jahres versteigert werden sollen. „Wir begrüßen sehr, dass das Bundeskabinett vor kurzem den Weg für die Versteigerung der 700-Megahertz-Frequenzen geebnet hat“, sagte Schulte-Bockum. Jetzt sei es wichtig, dass diese Frequenzen schnell freigemacht werden.

Die Schätzungen des Bitkom beruhen auf aktuellen Berechnungen des zu dem Verband gehörenden European IT Observatory (EITO). Das EITO ist ein Projekt der Bitkom Research GmbH in Zusammenarbeit mit den Marktforschungsinstituten IDC und GfK. (Mit Material von dpa) / (vbr)