Augmented Reality verändert den Geschmack

Überlagert man billigen Fisch mit dem Bild eines Thunfisches, schmeckt er nach dem Edelfisch. Derartige Experimente zeigen, wie neue Technologien unsere Ernährungsgewohnheiten auf irritierende Weise ändern können.

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Augmented Reality verändert den Geschmack
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Von
  • Robert Thielicke

In seinen Versuch hatte der Psychologe Charlkes Spence von der britischen Oxford University Probanden eine Augmented Reality Brille aufgesetzt. Anschließend servierte er ihnen verschiedene Gerichte, überblendete das echte Gericht aber mit einem digital erzeugten Bild. „Der Träger denkt dann, dass er etwas anderes isst“, erzählt Spence im Interview mit Technology Review (hier bequem online bestellen). So könne man beispielsweise bei Sushi teuren Thunfisch gegen billigen Fisch austauschen. In Versuchen mit Ketchup empfanden Probanden ihn als deutlich dickflüssiger, wenn er durch die Brille dicker aussah. „Wir essen mit unseren Augen. Das gilt zumindest für Gerichte, die nicht stark riechen“, fasst Spence seine Ergebnisse zusammen.

Seinen Experimenten zufolge sind die Manipulationsmöglichkeiten aber noch deutlich größer. Auch Musik wirkt dem Psychologen zufolge auf den Geschmackssinn. Um das zu beweisen, hat Spence Sounddesigner gebeten, bittere, saure und süße Musik zu erzeugen. Bittere Musik habe tendenziell eine tiefe Frequenz. Als er die Stücke Testpersonen vorspielte, ordneten diese die Klänge tatsächlich auf Anhieb richtig zu. Anschließend spielte er sie während des Essens ab. „Bittere Musik verstärkt bitteren Geschmack, süße Musik lässt Speisen süßer oder fruchtiger schmecken.“

Erste Hersteller machen sich die Effekte bereits zunutze. Große Getränkehersteller erforschen Spence zufolge, welche Musik in einer Bar den Absatz ihrer Marke erhöht. Noch dieses Jahr kämen zudem die ersten Weinflaschen auf den Markt, die dem Kunden die Option bieten, die passende Musik beim Trinken zu hören: „Schmeckt der Wein nicht, kann er mit dem Smartphone das Etikett einscannen – und es gibt eine zweite Chance auf einen neuen Geschmack“, erzählt Spence.

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(jlu)