Kernschmelze
Es ist ungemütlich geworden für Autohersteller, seit das Thema Elektronik die Domäne Maschinenbau zusehends überwuchert. Die schier unendlich vielen neuen Möglichkeiten der Elektronik verwandeln das Auto in höchstem Tempo, in seinem Inhalt, in seiner Aussage, in seinen Nutzungsformen
- Rudolf Skarics
Wien, 4. März 2015 – Es ist ungemütlich geworden für Autohersteller, seit das Thema Elektronik die Domäne Maschinenbau zusehends überwuchert. Die Rolle des Automobils in der Gesellschaft verändert sich gerade so grundlegend wie nie zuvor in seiner Geschichte. Die schier unendlich vielen neuen Möglichkeiten der Elektronik verwandeln das Auto in höchstem Tempo, in seinem Inhalt, in seiner Aussage, in seinen Nutzungsformen. Gleichzeitig dreht sich das Weltgeschehen rasend:
Während ganze Berufsgruppen verschwinden, poppen immer neue milliardenschwere Branchen und Geschäftsmodelle auf, die alle eines gemeinsam haben: Die totale Vernetzung der Gesellschaft auf elektronischem Weg. Da werden mitunter auch stabile Machtverhältnisse gekippt.
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Hat die Autoindustrie die Zügel noch in der Hand?
Das multiple mediale Echo von vollautomatischen Autos die durch die Sonnenstaaten der USA cruisen und der Erfolg des Elektro-Luxusschlittenfabrikanten Elon Musk (Tesla) sind in ihrer wahren Wirkung aufs Weltgeschehen eher schwer einzuschätzen, Nervosität entsteht durch solche Phänomene aber allemal. Und die Frage drängt sich doch auf: Hat die Autoindustrie die Zügel noch in der Hand oder zieht sie nur mehr verzweifelt an irgendwelchen Fäden? Werden die einstmals großen Autohersteller künftig nur mehr die harte Ware (Karosserie, Antrieb, Fahrwerk) hinter der Elektronik zuliefern oder kann sich die Autoindustrie doch der IT-Branche bemächtigen?
Die Arroganz der Autohersteller, lange Zeit durch soliden Dauererfolg begründet und zementiert, ist von gestern, die verbliebenen Überlegenheitsposen der Chefs sind bestenfalls noch ein Mittel, um die Stimmung nicht kippen zu lassen. Das Auto im altbekannten Sinn erscheint bedroht, nicht nur durch die wohlbekannten Gegner, jetzt auch noch durch neue Freunde, die von ihm offenbar ganz andere und noch viel mehr Dinge verlangen als die einstigen Kernkompetenzen wie Fahrspaß, Dynamik, Eleganz und Transportkapazität.