Virtuelle Kreaturen im Kasten

Auf der Grundlage eines alten optischen Tricks will ein Start-up 3D-Bilder in einem Prisma erscheinen lassen. Die so erzeugten Figuren lassen sich ĂĽber ein Smartphone steuern.

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Von
  • Rachel Metz

Auf der Grundlage eines alten optischen Tricks will ein Start-up 3D-Bilder in einem Prisma erscheinen lassen. Die so erzeugten Figuren lassen sich ĂĽber ein Smartphone steuern.

Ein kanadisches Start-up namens H+ arbeitet daran, in einem Kasten virtuelle Monster, Fische und andere Kreaturen scheinbar zum Leben zu erwecken. Das Gerät soll für Spiele und andere Aktivitäten mit Freunden dienen.

Mit seinem Holus genannten Gerät – ein durchsichtiger Kasten etwa von der Größe einer Mikrowelle – ist das Start-up noch im Prototypen-Stadium. Im Inneren befindet sich ein beschichtetes Plexiglas-Prisma, in dem projizierte Bilder erscheinen, so dass man virtuelle Figuren und andere Inhalte aus mehreren Blickwinkeln sehen kann. Bislang hat H+ fünf dieser Einheiten gebaut, die Auslieferung soll im kommenden Jahr beginnen,

Laut Dhruv Adhia, Chief Technology Officer von H+, kommt bei Holus eine Kombination aus 3D-Projektion und einem alten optischen Trick namens Pepper’s Ghost zum Einsatz. Dabei wird ein verstecktes Objekt auf einer Glasscheibe reflektiert, so dass es mit dem Betrachter im Raum zu sein scheint (bei neueren Varianten kommen statt echter Objekte digitale Bilder zum Einsatz, wie etwa bei einer Performance des toten Rappers Tupac auf dem Coachella Music Festival 2012).

Beim Holus schickt ein Projektor in der Klappe vier Bilder desselben Objekts auf die Wände des Prismas, in dem sie für den Betrachter ein Einzelbild zu formen scheinen. Die Bilder lassen sich mit einem über Bluetooth oder WLAN verbundenem Smartphone steuern. Berechnet werden sie von einer App auf einem Tablet-Computer oder Laptop, die auch die Veränderungen als Reaktion auf Eingaben am Smartphone steuert. Bei der diesjährigen Consumer Electronics Show in Las Vegas konnten Besucher mit Holus ein Würfelspiel für mehrere Personen spielen, gesteuert mit einem iPod touch.

In einem Video-Chat zeigte mir Adhia, wie das System konkret funktioniert. Er führte Figuren wie eine Frau in einer Art Weltraumanzug oder ein Skelett mit Schwert und Schild vor, deren Positionen er mit einem iPod touch verändern konnte. Die Holus-App stellt nach seinen Worten die Perspektive des Nutzers fest, indem sie die Bewegungen des Steuergeräts erfasst und dann in Echtzeit darauf reagiert.

Tatsächlich schienen die Bilder aus mehreren Winkeln sichtbar zu sein und reagierten auf Wischen und Bewegungen von Adhia mit dem iPod. Allerdings sah das Ergebnis primitiver aus als bei anderen 3D-Konzepten. Im Januar hat Microsoft ein modernes Headset für Augmented Reality namens HoloLens vorgestellt, und auch bei einem Besuch bei dem Start-up Magic Leap bekam ich beeindruckende 3D-Bilder zu sehen. Ein weiteres Unternehmen mit dem Namen Leia arbeitet an einer neuen optischen Technik, die holografische Bilder ohne spezielle Brille auf mobile Geräte bringt.

Michael Bove, Leiter der Object-Based Media Group am MIT, verweist darauf, dass die H+-Technologie weder holografisch noch wirklich 3D zu sein scheint. Man könne also nicht darum herumlaufen und dabei eine saubere 360-Grad-Ansicht des projizierten Bildes sehen.

H+ will für mehr Interesse sorgen, indem es Holus ab diesem Frühjahr über Kickstarter anbietet. Das Gerät soll 850 bzw. 950 Dollar kosten – für den niedrigeren Preis gibt es eine „Home“-Version, die teurere Variante ist größer und für Entwickler gedacht.

(sma)