Schlechte Aussichten für das Breitbandkabel

Das Marktforschungsinstitut Prognos schätzt die Erfolgsaussichten für das deutsche Breitband-Kabelnetz und Internet per TV-Kabel pessimistisch ein.

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Das Marktforschungsinstitut Prognos schätzt die Erfolgsaussichten für das deutsche Breitband-Kabelnetz pessimistisch ein. In einem Vortrag auf den Medientagen München sagte Prognos-Telco-Spezialist Klaus Schrape den regionalen Kabelnetz-Konsortien Investitionskosten von etwa 100 Milliarden Mark für die nächsten 5 Jahre voraus. Kleinere Gesellschaften würden nur in den schwarzen Bereich kommen, wenn sie das privatisierte Kabelnetz nicht als Datenträger, sondern als Service- und Content-Kanal verstehen und behandeln.

Ohnehin sei es schwer, sich künftig gegen andere Breitband-Technologien, insbesondere das Telekom-ADSL, durchzusetzen. T-DSL sei der "First Mover", und wenn Callahan und Co. nicht bald marktreife Lösungen entgegensetzten, würde sich "das Window of Opportunity" am deutschen Markt demnächst "für nicht absehbare Zeit schließen." Prognos korrigiert seine Kostenprognose seit seiner letzen Studie nochmals nach oben: Demnach werden die Kabelgesellschaften pro gewonnenen Kunden einmalig etwa 1600 Mark für die technische Infrastruktur wie Heimanschluss-Umrüstung und Aufbau geeigneter Kabel-Kopfstationen locker machen müssen. An laufenden Kosten würden etwa 400 Mark pro Jahr auflaufen. Schrape hält es für einen fatalen Fehler, Parallelen zum US-amerikanischen Kabelmarkt zu ziehen. Dort sei die Bereitschaft der Konsumenten, viel Geld beispielsweise für interaktives Fernsehen auszugeben, wesentlich höher als hier zu Lande.

Am Rande des Vortrags gab es noch frohe Kunde aus Bayern: Sven Gläsel, Sprecher des bayerischen Kabelnetzkonsortiums, teilte mit, dass einem Verkauf des dortigen Netzes nichts mehr im Wege stehe. Ein Abschluss stehe bald bevor. Das Konsortium war in Schwierigkeiten geraten, weil sich Viag Interkom nach dem teuren UMTS-Lizenzkauf aus dem Kabelnetzgeschäft und damit aus der Käuferrunde verabschiedete. (hob)