Die Sonne fotografieren

Am 20. März 2015 können wir unter anderem in Deutschland das seltene Schauspiel einer Sonnenfinsternis verfolgen. Mit einigen Sicherheitsvorkehrungen und unseren Fototipps ergibt das ein tolles Fotomotiv. Übrigens: Die nächste Sonnenfinsternis in Deutschland kommt erst wieder am 10. Juni 2021.

Artikel verschenken
vorlesen Druckansicht
Lesezeit: 29 Min.
Von
  • Rolf Hempel
Inhaltsverzeichnis

Als Lichtquelle ist die Sonne den Fotografen wohlbekannt und oft unverzichtbar. Als alleiniges Motiv steht sie allerdings weniger im Fokus und das aus gutem Grund: Die Sonne hoch am Himmel überfordert mit ihrem gleißend hellen Licht jeden Kameraverschluss und Sensor. Schießt man ohne besondere Vorkehrungen trotzdem ein Foto, ist die Kamera danach womöglich nicht mehr zu gebrauchen. Noch gefährlicher ist ein kurzer Blick durch den optischen Sucher einer Spiegelreflexkamera. Er führt fast unweigerlich zu schweren Augenschäden, im schlimmsten Fall zur Erblindung. Größte Vorsicht ist also geboten, auch bei der im März anstehenden spektakulären Sonnenfinsternis. Zum Glück kann man mit relativ einfachen Mitteln die Lichtfülle bändigen.

Zentrum unseres Planetensystems gelegen, dominiert die Sonne alles in ihrer Umgebung. An Masse übertrifft sie die Erde mehr als dreihunderttausendfach. In ihrem Inneren erzeugt ein gigantischer Fusionsreaktor die Energie, die unser ganzes Planetensystem mit Licht und Wärme versorgt und auf der Erde Leben ermöglicht. In unserer Galaxie, der Milchstraße, ist die Sonne zwar nur ein Stern unter vielen Milliarden. Aber als einziger Stern ist sie uns so nah, dass wir auf ihrer Oberfläche Einzelheiten erkennen können. Und da gibt es eine Menge zu sehen. Die heißen Gase der Sonnenoberfläche sind in ständiger Bewegung. Kräftige Magnetfelder kanalisieren diese Ströme und führen zu lokalen Temperaturunterschieden. Kühlere Regionen erscheinen als dunkle Flecken, heißere als helle Fackelgebiete. Unter hoher Vergrößerung lässt die Struktur größerer Sonnenflecken den komplexen Verlauf der Magnetfeldlinien erahnen. Vergrößert man noch weiter, verwandelt sich die scheinbar homogene Sonnenoberfläche in ein dichtes Netz kleiner Zellen mit dunklen Zwischenräumen, die sogenannte Granulation. Hier sieht man den Wärmetransport aus dem Inneren förmlich in Aktion. Wie in einem Topf mit kochendem Wasser steigt in der Mitte der Zellen heißes Material nach oben, kühlt ab und sinkt in den Zell-Zwischenräumen wieder nach unten. Dabei geht es sehr turbulent zu: Die Zellen sind etwa tausend Kilometer groß, aber sie entstehen und vergehen rasant in wenigen Minuten. Nichts bleibt auf der Sonne, wie es ist. Auch große Sonnenfleckengruppen ändern bereits nach wenigen Stunden ihr Aussehen. Verfolgt man ihre Entwicklung über mehrere Tage, scheinen sie zudem von West nach Ost zu wandern. Das liegt aber an der Rotation der Sonne. Für eine Umdrehung braucht sie ungefähr 27 Tage.

Die brodelnden Konvektionszellen der Sonnenoberfläche erreichen eine Größe von 1000 km. Sie entstehen und vergehen in wenigen Minuten (1.8.2012) Canon EOS 5D Mark II | ISO 100 | 5000 mm | f/38 | 1/400 s | Sonnenfilter | 178 Aufnahmen

Mittels des U.S.-Satellits „Solar Dynamics Observatory“ kann man die Sonne kontinuierlich im Auge behalten. Das regelmäßig erneuerte Sonnenbild auf der Projekt-Webseite zeigt die aktuelle Fleckenverteilung. Noch dynamischer geht es oberhalb der Sonnenoberfläche zu. Ströme ionisierter Materie werden vom Magnetfeld zu riesigen Bögen aufgespannt, die einige zigtausend Kilometer Höhe erreichen können. Sie treten häufig in aktiven Regionen zusammen mit Fleckengruppen auf und können mehrere Monate lang in scheinbarer Ruhe verharren. Manchmal entwickeln sich aus diesen sogenannten Protuberanzen plötzliche Eruptionen, bei denen innerhalb weniger Stunden Materie bis zu tausend Kilometer pro Sekunde schnell in den Weltraum geschleudert wird. Treffen diese Gasmassen auf die Erde, erzeugen sie imposante Polarlichter, gefährden andererseits aber auch irdische Strom- und Kommunikationsnetze. Alle paar Jahre wird es richtig spektakulär. Dann schiebt sich der Mond bei seinem monatlichen Umlauf direkt zwischen Sonne und Erde. Verdeckt die dunkle Scheibe des Mondes nur einen Teil der Sonne, spricht man von einer partiellen Finsternis. Trifft der Mond die Sonne zentral, ist die Finsternis total. Am 20. März ist dies in einer schmalen Zone im Nordatlantik der Fall. In Deutschland reicht es nicht zur Totalität, aber wir können uns auf eine hochprozentige partielle Finsternis hoch am Vormittagshimmel freuen. In Flensburg werden 82% der Sonne verdeckt, in Konstanz immer noch 70%.

Das war die Leseprobe unseres heise-Plus-Artikels "Die Sonne fotografieren". Mit einem heise-Plus-Abo können Sie den ganzen Artikel lesen.