ICANNs Büro bremst Bewerber für neue Domains

Erst ab 5. September nimmt die Internet-Verwaltung Internet Corporation for Assigned Names and Numbers offiziell Vorschläge für die neuen Top Level Domains entgegen.

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  • Monika Ermert

Erst ab 5. September nimmt die Internet-Verwaltung Internet Corporation for Assigned Names and Numbers (ICANN) offiziell Vorschläge für die neuen Top Level Domains (TLD) entgegen. Vorher will sie noch einen Bewerber-Fragebogen und ausführliche Auswahlkriterien veröffentlichen, nach den Plänen der ICANN am 15. August. Das verkündete das ICANN-Büro Ende letzter Woche in einem Papier zum TLD-Bewerber-Verfahren. Die 19 ICANN-Direktoren hatten auf dem Meeting in Yokohama den 1. August als Start der Ausschreibung erklärt. Auch hinsichtlich der Entscheidung hält sich das ICANN-Büro entgegen den Beschlüssen in Yokohama verschiedene Optionen offen: Man werde die Entscheidung darüber, mit welchen Anbietern man in endgültige Verhandlungen eintrete, "während oder kurz nach der Jahrestagung der ICANN Mitte November" bekannt geben.

Potenziellen Bewerbern von .web bis .kid gab man in dem jetzt veröffentlichten Papier allerdings schon einmal ein paar Anhaltspunkte, welche Anforderungen sie erfüllen müssen. Für offene, klassische Top Level Domains (wie etwa die schon existierende .com) genügt ein Vorschlag eines Registry-Operators zur Technik und allgemein zu Regeln für die Registrierung – vor allem auch für die Startphase. Grundsätzlich will die ICANN für offene TLDs die Definition der Registrierbestimmungen aus dem Vertrag mit Exmonopolist Network Solutions und dem US Department of Commerce übernehmen, wenn es sich um einen "nackten" Registry-Vorschlag (ohne eine Organisation im Hintergrund) handelt. Damit würden für die neue Zone die gleichen Bestimmungen gelten wie für .com, .net und .org.

Mehr Gestaltungsfreiheit haben so genannte "Sponsoring Organizations", die sich entweder für offene oder auch satzungsbeschränkte (restricted oder chartered) Top Level Domains aussprechen (zum Beispiel .geo). Sie müssen allerdings neben den geplanten Registrierbestimmungen auch noch darlegen, dass ihre Organisation gewissen demokratischen Grundsätzen bei der Formulierung der neuen Regeln gerecht wird, zumindest innerhalb der vertretenen Interessens- oder Adressatengruppe. Daher müssen sie auch ihre Satzung und Statuten offen legen und Mitgliedschaft und Direktoren benennen. Für den technischen Betrieb können sie sich mit einem Registry-Provider zusammentun, doch muss sicher sein, dass der auch mitmacht.

Zur Abschreckung von im Geschäft Unerfahrenen wartet das ICANN-Papier mit langen Listen für Registry-Organisationen wie -Betreiber auf. Von den Registry-Betreiber möchte man beispielsweise genaueste Informationen haben: "Gebäude, Hardware, Software, Datensicherheit und Sicherheit der Gebäude, Bandbreite und Internetkonnektivität, Vorkehrungen gegen einem möglichen Ausfall, Fähigkeiten und Maßnahmen zur Wiederherstellung des Systems, Sicherheit der Informationssysteme, Belastbarkeit und Ausbaufähigkeit (Scalabilty), Data-Escrow- und Backup-Strategien, Whois-Service, Verarbeitung der Zone Files, technischer und anderer Support, Abrechnung und finanzielle Abwicklung, Management und Angestellte, Personalstand und -ausbaufähigkeit und Vorkerhungen für die Stabilität iim Fall eines Versagens der Registry." Die Anforderungen an die betriebswirtschaftlichen Voraussetzungen des Registry-Betreibers füllen einen weiteren Paragrafen.

Kein Wunder, dass man mehrfach im Dokument betont, dass sich potenzielle Anwärter möglichst schon jetzt verschiedenster professioneller Unterstützung versichern sollten: "Allen, die sich bewerben möchten, wird dringend geraten, sich jetzt der professionellen Unterstützung von technischen Experten, Finanz- und Management-Beratern sowie Rechtsanwälten für die Abfassung ihrer Vorschläge und Vorbereitung ihrer Bewerbungen zu versichern." Die ICANN selbst steht für die heiße Bewerbungsphase übrigens nicht für persönliche oder Telefonberatungen oder Nachfragen von Seiten der Bewerber zu Verfügung, sondern nur für schriftliche Anfragen. Ob sich die ICANN-Hauptamtlichen derzeit schon an diese Regel halten, ist aber ungewiss. Einige Beobachter glauben eher, dass mancher Bewerber sich nach den vagen Beschlüssen der Direktoren nun direkt mit dem ICANN-Büro über Bedingungen unterhält. Immerhin kostet die Bewerbung ja auch eine schöne Stange Geld: 50.000 US-Dollar muss jeder Bewerber oder jede Bewerbergruppe hinlegen, ganz gleich, wie viele TLDs beantragt werden. Da ist der technische, betriebswirtschaftliche und juristische Expertenrat noch nicht einmal eingerechnet. (Monika Ermert) (jk)