Schwarz-Rot will Schulen ans Breitbandnetz bringen

Die große Koalition will die Computerkompetenz von Schülern verbessern. Ihnen soll eine "sichere digitale Lernumgebung" mit schnellem Internet bereitgestellt werden. Dabei sei auch wichtig, zur politischen Teilhabe übers Netz fähig zu sein.

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Schwarz-Rot will Schulen ans Breitbandnetz bringen
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Die Initiative Schulen ans Netz war vorgestern, jetzt wollen die Regierungsfraktionen Bildungseinrichtungen mit Breitband beglücken. Die technische Infrastruktur dafür sollen die zuständigen Träger mithilfe von Bund und Ländern schultern, heißt es in einem heise online vorliegenden Antrag von CDU/CSU und SPD. Dazu zählten neben schnellen Internetleitungen interne Netze und Server zu konzipieren und zu standardisieren, sie professionell zu pflegen und eine "sichere digitale Lernumgebung" zu schaffen.

Den Antrag wollen die Fraktionen am Dienstagabend beschließen, am Donnerstag soll er erstmals im Bundestag beraten werden. An die Bundesregierung ergeht damit der Appell, zusammen mit den Ländern und Akteuren aus allen Bildungsbereichen eine Strategie "digitales Lernen" zu entwickeln. Die Forderungen bauen auf Empfehlungen der Enquete-Kommission "Internet und digitale Gesellschaft", dem Koalitionsvertrag und der digitalen Agenda der Bundesregierung auf.

Ein "Pakt für digitale Bildung" soll die Aktivitäten von Staat, Wirtschaft und Gesellschaft bündeln und die digitale Infrastruktur und Ausstattung unter Berücksichtigung des umstrittenen Modells "Bring Your Own Device" (BYOD) finanziell fördern. "Schüler akzeptieren ihre eigenen Geräte", begründete die SPD-Berichterstatterin Saskia Esken dies gegenüber heise online. Handy- oder Tabletverbote im Klassenzimmer hätten sich dagegen als wenig effektiv herausgestellt. Auf die Datensicherheit sei besonders zu achten, Schüler dürften nicht getrackt werden.

Lernende, "die sich aus finanziellen Gründen kein digitales Endgerät anschaffen können", soll der Pakt "unterstützen", um die "digitale Spaltung" in Schulräumen zu verhindern. Ein Mentor-Netzwerk in Kooperation mit der digitalen Wirtschaft ist geplant, um mehr IT-Fachkräfte zu gewinnen und dabei speziell Mädchen und junge Frauen für solche Berufe zu begeistern.

Einen weiteren Schwerpunkt sollen digitale Bildungsangebote wie Open Educational Resources (OER) oder freie Lizenzen und Formate bilden. Laut Esken hat das Parlament allein dafür bereits einen Haushaltstitel über 2 Millionen Euro "mit Aufwuchspotenzial" eingestellt. Gelder für die Breitbandförderung sollten aus dem Investitionsprogramm der Bundesregierung und der geplanten Frequenzversteigerung kommen.

Die Koalition will mit ihrem Antrag auch auf Ergebnisse der International Computer and Information Literacy Study (ICILS) reagieren. In dem internationalen Vergleichstest für Computerausrüstung und -kompetenz an Schulen belegte Deutschland viele hintere Ränge. Die Länder sollen hier etwa mit einem "zeitgemäßen und altersgerechten Informatikunterricht ab der Grundschule", speziellen Fortbildungsangeboten für Lehrer gegensteuern sowie damit, vernetzte Schulplattformen oder Mindeststandards zur digitalen Medienkompetenz zu entwickeln. Esken betont: "Es reicht nicht aus, nur einen Streaming-Dienst nutzen zu können." Wichtig sei auch die Fähigkeit zur politischen Teilhabe übers Netz. (anw)