Die Causa Clarkson

Die Emotionen kochten hoch, es flogen Beschimpfungen, irgendwann die Fäuste und schließlich flog Jeremy Clarkson. Und die Medien fühlen sich fälschlicherweise bestärkt in ihrem Glauben, sowas wie Top Gear ginge halt nicht

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Jeremy Clarkson ist raus bei der BBC. Sein ohnehin im März abgelaufener Vertrag wird nicht verlängert, sogar die letzten Folgen der aktuellen Staffel von Top Gear wurden trotz fertiger Film-Features nicht ausgestrahlt, die Studio-Shows entfielen. Grund war ein Angriff Clarksons auf einen BBC-Produzenten. So viel wissen wahrscheinlich alle Fans der Serie. Es lohnt sich jedoch, die Lupe auf die medientechnischen Details und Eigenheiten dieses Vorfalls zu richten.

Der Hergang: Nach einem Filmtag kehrt die Crew ins Hotel zurück, aber die Küche hat schon zu. Es gibt nur Kaltes. Clarkson klinkt aus, beleidigt den offenbar für die Verpflegung verantwortlichen Produzenten Oisin Tymon auf das Übelste und droht damit, er werde seinen Job verlieren. Schließlich schlägt Clarkson ihm sogar ins Gesicht, was zu einer geplatzten Lippe führt. Der Ausfall dauert etwa eine halbe Minute und wird am Ende von einem Dritten beendet, der zwischen die beiden geht. Tymon fährt ins Krankenhaus. Er fürchtet um seinen Job und schaltet daher einen Anwalt ein. Gäste im selben Hotel sagten der Daily Mail, der Manager habe Clarkson schlussendlich ein Steak gebraten – wahrscheinlich, um die Situation zu beruhigen.

Die Causa Clarkson (3 Bilder)

Jeremy Clarkson sagt gern lustige Dinge über Autos, was im Kontext dieser Welt an Harmlosigkeit kaum zu unterbieten ist. Man kann ihn natürlich auch ganz schlimm malen, wenn wieder Nachrichtenflaute herrscht.

(Bild: Clemens Gleich)

Clarkson meldet den Vorfall selbst bei der BBC, was so noch gelegentlich zitiert wurde. Was ich nur beim Guardian und der BBC fand, war Ken MacQuarries Untersuchungsbericht des Vorfalls, in dem auch steht, Clarkson habe danach mehrfach versucht, sich bei Tymon zu entschuldigen, per Mail, Kurznachricht und persönlich. Das Verhalten lässt durchaus Reue erkennen, und weist auf nervliche Überlastung als Ausklinkgrund hin. Dazu passt auch die Aussage eines Hotelgastes, der trotz des Geschreis nach einem Autogramm fragte. Antwort Clarkson: „Nicht nach dem Tag, den ich heute hatte.“

Viele Kommentatoren kommentierten einen Gedanken: Solche Zwischenfälle kosten einen immer und überall den Job, Branche egal. Ich bestreite das. Unterhaltungsmedien wie Top Gear „machen Kino“, wie es ein Kollege formulierte, als ich ihn fragte, warum ich bei Minusgraden in Sommerkluft auf einem Motorrad fotofahren sollte. Das Ergebnis sieht bestenfalls so aus, als hätten ein paar Menschen Spaß gehabt. Das stimmt auch. Medienmenschen lieben meistens ihren Job, weil er toll ist. Was Zuschauer aber nicht sehen: Kino machen ist anstrengend, und jeder, der sie je beim Filmen beobachten konnte, weiß: Die Crew von Top Gear arbeitet sich den Arsch ab.