Newskrümel: Über Streaming und Staatsgewalt
Nachdem wir uns von den Aprilscherzen erholt haben, schauen wir, was in Übersee seither links und rechts des Nachrichtenstroms liegen geblieben ist: Biometriewahn in Pakistan, teure Notizen eines tragischen Helden und Facebook-User in US-Gefängnissen.
Ja, Videounterhaltung auf Basis vorgegebener Termine gibt es noch immer: Das gute alte Fernsehen. Seit 25 Jahren läuft dort die Trickfilmserie "The Simpsons". Weltrekord! Rechteinhaber Fox wird keine weiteren Simpsons-Staffeln auf DVD & Co feilbieten. Dem Streaming gehört die Zukunft. So bleiben die Flimmerkisten online und können die Reaktionen der Fans beobachten und nach Hause telefonieren.
(Bild: Argotech/Lavazza)
Unsere Telefone verraten noch weit mehr über uns. Das weckt das Interesse von Gevatter Staat. Immer und überall. "Die kanadischen Polizeikräfte schätzen, dass in 80 bis 95 Prozent aller Untersuchungen zumindest eine Form von Auskunftsersuchen an Telecom-Anbieter gestellt wird", meint das kanadische Ministerium für Öffentliche Sicherheit. Das reicht von der Identifikation eines Anschlussinhabers über den Zugriff auf E-Mails und SMS bis zum Lauschangriff.
Weniger Terror mit SIM-Karten, oder so
Pakistan dürfte die größte Flotte biometrischer Erfassungsapparate der Welt haben, nachdem dort 80.000 Fingerabdruckscanner installiert wurden. Damit mussten sich die Inhaber der 103 Millionen umlaufenden SIM-Karten erneut erfassen lassen. Kostenpunkt: Mehr als 60 Millionen US-Dollar. Schon bisher bestand Registrierungspflicht mit Fingerabdruck, Foto und Computerized National Identity Card (CNIC).
Dass alle nochmal ran müssen, soll dem Kampf gegen den Terror dienen. Tatsächlich trifft es eher VoIP-Anbieter, die die hohen Tarife für internationale Telefonate zu umgehen suchen. Mangels erneuter Registrierung wurden vergangene Woche 26 Millionen SIM-Karten deaktiviert.
Eine Million für altes Notizbuch
Am gleichen Tag wurde in New York ein Notizbuch des Computing-Pioniers Alan Turing für mehr als eine Millionen US-Dollar versteigert. Der geniale Mathematiker ist das wohl prominenteste Homophobie-Opfer Großbritanniens. Kein Geld verdient Shopify, kanadischer Anbieter von E-Commerce Software. Ein Börsengang soll bald 100 Millionen US-Dollar einbringen.
Mehr als verzehnfacht wurden die Roamingumsätze zwischen Kenia, Ruanda, Uganda und dem Südsudan infolge einer deutlichen Gebührensenkung. Tansania will nun auch mitmachen. Nächster Schritt soll die Einbeziehung von Datenroaming und Mobile Money sein.
Einzelhaft für jedes Facebook-Posting
Noch einmal in die USA: 37,5 Jahre Einzelhaft hat ein Häftling in South Carolina ausgefasst. Denn er hatte auf seinem Facebook-Profil gepostet oder von im nahestehenden Personen außerhalb des Gefängnisses posten lassen. Das wird strenger bestraft als Mord, Geiselnahme, Vergewaltigung oder der Besitz von E-Readern im Gefängnis: Jeder Tag, an dem ein Posting erscheint, wird als eigenes Verbrechen gewertet.
Leider sind solche Strafen kein Einzelfall. "Privilegien" wie Fernsehen, Telefonate und Besuche werden dabei übrigens noch viel länger entzogen, Zeitguthaben für frühere Entlassung gestrichen. In Alabama werden Angehörige strafrechtlich verfolgt, die für einen Gefangenen etwas online stellen. In Indiana wurde ein Insasse bestraft, weil seine Schwester online für seine Freilassung eintritt.
Da kommt man nicht drum herum, über die Glorie der US-Nation zu reflektieren. Dennis Madalone hat wahrscheinlich so viele Star-Trek-Rollen gespielt wie sonst niemand. Sein Musikvideo ist aus dem Jahr 2002 und ernstgemeint:
Empfohlener redaktioneller Inhalt
Mit Ihrer Zustimmung wird hier ein externes YouTube-Video (Google Ireland Limited) geladen.
Ich bin damit einverstanden, dass mir externe Inhalte angezeigt werden. Damit können personenbezogene Daten an Drittplattformen (Google Ireland Limited) übermittelt werden. Mehr dazu in unserer Datenschutzerklärung.
(jk)