PaperPulse – Ausgedruckte Schaltkreise machen Papier interaktiv
Durch den Aufdruck von Stromkreisen auf Papier soll der Werkstoff in Zukunft völlig neue Bastelideen möglich machen.
(Bild: raframakers.net)
Forscher der Hasselt University in Belgien haben ein Programm namens PaperPulse zur Erstellung interaktiver Papierausdrucke entwickelt, die von ihren Machern keine elektronischen Kenntnisse erfordern sollen. Designer müssen lediglich die gewünschten Grafikelemente in eine Software ziehen, die Programmlogik wird währenddessen im Hintergrund ohne Zutun des Anwenders erstellt. Zur Auswahl sollen 20 interaktive Komponenten und unzählige Widgets für die grafische Gestaltung stehen.
Der Ausdruck der notwendigen Stromkreise erfolgt über eine spezielle Tintenpatrone, die leitfähiges Material enthält, aber mit herkömmlichen Druckern kompatibel sein soll. Zusätzlich werden elektronische Komponenten wie LEDs oder Mikrocontroller benötigt.
Interaktive Visitenkarten
Als Anwendungsbeispiele nennen die Macher interaktive Visitenkarten, interessant gestaltete Verpackungen, die per Countdown auf das Mindesthaltbarkeitsdatum hinweisen oder Grußkarten, die beim Öffnen Musik abspielen. Bastelfans müssen hierfür keine einzige Zeile Code schreiben. Ein an Photoshop angelehntes Interface erlaube die Auswahl der gewünschten Komponenten und Funktionen. Dazu zählen Schieberegler, Knöpfe, LEDs oder Mikrofone. Danach muss die gewünschte Aktion aufgezeichnet werden, beispielsweise das Aufleuchten einer LED beim Druck auf einen Knopf.
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Im Hintergrund berechnet die Software automatisch den dafür nötigen Code, der sich in einem Simulator testen lässt. PaperPulse soll darüber hinaus auch Hilfestellungen geben, beispielsweise das Ausschalten der LED beim Loslassen des Knopfes vorschlagen. Auch die zeitliche Reihenfolge der Aktionen soll sich im Programm anpassen lassen.
Ausdruck mit leitfähiger Tinte
Sobald das Design fertig ist, muss noch die Position des Mikrocontrollers festgelegt werden. Die Software beginnt danach mit der Erstellung der Schaltkreise, die als PDF mit Faltkanten und anderen Bastelhilfen ausgegeben werden. Nach dem Ausdruck mit leitfähiger Tinte muss das Kunstwerk noch zugeschnitten, gefaltet und geklebt werden. Die Verdrahtung von LEDs oder Mikrofonen, die vom Drucker nicht korrekt vorgenommen werden könne, erfolgt über leitfähige Aufkleber. Als letzter Schritt muss nur noch der Mikrocontroller aufgebracht und per USB mit dem von der Software erstellten Code bestückt werden. Eine Batterie dient zur Stromversorgung der interaktiven Kreationen.
Die Kosten für derartige Projekte seinen nach Ansicht der Macher sehr niedrig. Leitfähige Tintenpatronen wären für den gleichen Preis realisierbar wie normale Tintentanks. Die elektronischen Komponenten seien ebenfalls im Centbereich angesiedelt.
Derzeit ist das System noch auf 15 Komponenten beschränkt, die an einen Mikrocontroller angebunden werden können. Per Multiplexing soll diese Limitierung in Zukunft aufgehoben werden. PaperPulse wurde vom Team um Raf Ramakers, Kris Luyten und Kashyap Todi bereits zum Patent angemeldet. Die Macher präsentieren ihre Idee derzeit auf der ACM Conference on Human Factors in Computing Systems in Seoul. (axk)