Ukraine will Zwischenlager neben Tschernobyl-Reaktor bauen
Die Explosion im Atomkraftwerk Tschernobyl vor genau 29 Jahren gilt als eine der größten ökologischen Katastrophen weltweit. Trotzdem setzt die Ukraine weiter auf Kernkraft – und will in der Sperrzone ein Zwischenlager für radioaktive Abfälle errichten.
(Bild: Slawojar, CC-BY-SA-3.0)
Zum 29. Jahrestag der Atomkatastrophe von Tschernobyl hat die Ukraine die internationale Gemeinschaft zur Finanzhilfe für den Fertigbau der Schutzhülle aufgerufen. Die Anstrengungen der Geber-Länder seien wichtig, um die Folgen der Tragödie vom 26. April 1986 zu beseitigen, sagte der ukrainische Präsident Petro Poroschenko am Sonntag.
Jahrestag des Super-GAUs
Die krisengeschĂĽttelte Ex-Sowjetrepublik steht in einem schwelenden BĂĽrgerkrieg mit Separatisten im Osten und ist auf Finanzhilfen angewiesen. Poroschenko erinnerte zum Jahrestag an die Opfer des schwersten UnglĂĽcks in der Geschichte der zivilen Nutzung der Atomenergie. Der neue 100 Meter hohe Sarkophag soll die brĂĽchige SchutzhĂĽlle aus Beton ersetzen, die ĂĽber den ReaktortrĂĽmmern errichte worden war.
Bis November 2017 soll das Projekt fertig sein. Allerdings fehlen Schätzungen zufolge noch mindestens 615 Millionen Euro zur Fertigstellung. Unter Vorsitz Deutschlands ist kommenden Mittwoch bei der Europäischen Bank für Wiederaufbau und Entwicklung (EBRD) in London eine Geberkonferenz geplant.
"Wir hoffen, das wir gemeinsam mit den Geberländern eine zuverlässige und ungefährliche Abdeckung über den zerstörten Reaktorblock errichten, damit die Ukraine und andere Völker von einer Wiederholung der Tragödie von 1986 geschützt werden", sagte Poroschenko der Mitteilung des Präsidentenamtes zufolge.
Atomabfälle vor der Rückkehr
Seit Jahren schiebt die Ukraine Atommüll nach Russland ab, doch Ende 2017 läuft der Vertrag aus – und die Abfälle sollen zurückgebracht werden. Die Ex-Sowjetrepublik braucht also dringend ein Lager, denn die Ukraine hat nicht nur die Folgen der Katastrophe von 1986 zu bewältigen. Sie betreibt landesweit vier ältere Atomkraftwerke, die mehr als 50 Prozent des Energiebedarfs des Landes decken.
Nach Angaben des Staatskonzerns Energoatom verbrauchen die Meiler jährlich 257 Tonnen Brennstoff. Aber nur im AKW Saporischschja existiert ein Zwischenlager – der Rest geht nach Russland. Umweltschützer fürchten, dass die Ukraine später auch ausländischen Atommüll lagern wird, falls die Deponie zehn Kilometer vom stillgelegten Kraftwerk Tschernobyl tatsächlich gebaut werden sollte. Derzeit existiert aber nicht mehr als eine ambitionierte Baustudie. (imj)