Kommentar: Microsoft kupfert Update-Technik bei Linux ab

Mit Windows 10 scheint Microsoft einzugestehen, dass die Update-Strategie der Open-Source-Hippies wohl doch nicht so schlecht ist. Das Umdenken der Microsofties ist eine gute Idee, meint c't-Redakteur Fabian Scherschel.

In Pocket speichern vorlesen Druckansicht 679 Kommentare lesen
Kommentar: Microsoft kupfert Update-Technik bei Linux ab
Lesezeit: 2 Min.
Von
  • Fabian A. Scherschel

Microsoft hat anerkannt, dass die Art wie Linux Updates an die Nutzer bringt, besser ist. Mit der neuen Updateverteilung unter Windows 10 schaut sich die Firma einiges von den Kontrahenten aus dem Open-Source-Lager ab und das ist auch gut so. Endlich zeitgemäße Updates auf Windows statt dieser unsinnigen Warterei auf den zweiten Dienstag im Monat. Vielleicht ist das eine Chance, die einzigartige Virenepidemie einzudämmen, unter der viele Nutzer des Microsofts-Betriebssystems ächzen und stöhnen.

Ein Kommentar von Fabian A. Scherschel

Fabian A. Scherschel schrieb von 2012 bis 2018 als Redakteur täglich für heise online und c't, zuerst in London auf Englisch, später auf Deutsch aus Hannover. Seit 2019 berichtet er als freier Autor und unabhängiger Podcaster über IT-Sicherheit, Betriebssysteme, Open-Source-Software und Videospiele.

Verschiedene Update-Verteilungsringe, festgelegte Update-Zeiten, Sicherheits-Patches die kommen, wenn sie fertig sind – all diese Neuerungen, die Microsoft auf seiner Business-Konferenz anpreist, kommen mir als Linux-Nutzer irgendwie bekannt vor. Die Macher von Linux-Distributionen testen neue Features schon seit einer gefühlten Ewigkeit zuerst an Nutzern, die Experimentier-Zweige freiweillig einschalten und für die neueste Software auch mal den einen oder anderen Crash riskieren.

Auch Sicherheitspatches werden so in der Regel erst einmal von wagemutigen Nutzern ausprobiert, bevor sie auf die Masse losgelassen werden. Kritische Updates landen trotzdem fast immer innerhalb weniger Stunden auf einem System – wohingegen der Windows-Nutzer auch mal vier Wochen warten muss, wenn das Timing schlecht war und Microsoft sich nicht zu einem Patch außer der Reihe durchringen kann. Und viel stabiler waren Microsofts Patches in letzter Zeit trotz solcher Verzögerungen auch nicht.

Wartungsfenster mit festgelegten Tages- und Wochenzeiten zum Einspielen von Updates sind dem Linux-Admin ebenfalls nicht fremd. Genausowenig die Verteilung von Patches gestaffelt nach Systemgruppen in großen Unternehmen. Sämtliche Anbieter von Business-Distros, die etwas auf sich halten, haben so etwas schon seit Jahren im Programm.

Zwar ist es etwas albern von Microsoft, den Schlipsträgern diese Technik jetzt als eigene Erfindung zu verkaufen. Aber darüber kann ich hinwegsehen, wenn die Firma es endlich hinbekommt, den elendigen Patchday abzusägen. Viele Nutzer wollen Features so schnell wie möglich, Admins wollen vor allem Stabilität. Alle sollten Sicherheitsupdates installieren, sobald sie verfügbar sind. Wenn Microsoft uns endlich die Möglichkeit gibt, das ganze vernünftig selbst zu steuern, ist das ein Schritt in die richtige Richtung. Dann können sie meinetwegen auch von Linux abkupfern. (fab)