Kochen hilft rechnen

Die britische Dozentin Eugenia Cheng benutzt Backrezepte, um ihren Studenten Mathe in gut verdaulichen Häppchen nahezubringen.

vorlesen Druckansicht 1 Kommentar lesen
Lesezeit: 3 Min.
Von
  • Veronika Szentpetery-Kessler

Die britische Dozentin Eugenia Cheng benutzt Backrezepte, um ihren Studenten Mathe in gut verdaulichen Häppchen nahezubringen.

Man soll ja nicht mit Essen spielen. Mathematik-Dozentin Eugenia Cheng tut es dennoch, aber für einen guten Zweck. Sie erklärt Konzepte wie Potenzierung, der größte gemeinsame Teiler oder die dichteste Kugelpackung mit Hilfe von Koch- und Backrezepten. Die Ergebnisse hat die Wissenschaftlerin von der University of Sheffield nun in dem Buch „How to Bake π: An Edible Exploration of the Mathematics of Mathematics“ herausgebracht (die deutsche Übersetzung. Viele Beispiele finden sich aber auch auf Englisch auf Youtube. Vorsicht, sie machen ziemlich hungrig.

Für die Potenzierung nimmt Cheng beispielsweise das Rezept von Millefeuilles zu Hilfe. Das ist ein Gebäck, das dem Namen nach aus tausend Schichten besteht. Aber kann das wirklich stimmen? Zuerst schmiert sie eine Butterschicht auf ein Stück Teig und faltet den Teig dann in drei Schichten übereinander. Jetzt enthält der Teig also schon drei Butterschichten. Er wird wieder ausgerollt, wieder dreimal gefaltet – das ganze insgesamt nur sechs Mal, bis man 3 hoch 6 Schichten hat, also 729. Bäckt man sie nun und schichtet drei dieser Teigblätter mit Schlagsahne und Himbeeren übereinander, hat das Gesamtkonstrukt 3 hoch 7, also 2.187 Schichten.

Oder nehmen wir die Frage eines Studenten, wie viele Malteser-Kugeln man in seinen Mund bekommt. Man könnte sie einfach eins nach dem anderen hineinstopfen. Aber Cheng erklärt auch, wie man sie dabei anordnen und stapeln müsste, damit es tatsächlich so viele wie möglich sind. Statt sie in Reihen anzuordnen, in denen jede Schokokugel unter der anderen liegt, solle man sie auf Lücke anordnen. Genau so verfährt man mit den nächsten Schichten darüber, sobald die Grundfläche voll ist. Und schon ist man bei der kubisch dichtesten Kugelpackung, mit der sich in der Chemie Kristallgitter erklären lassen.

Das lustigste Beispiel ist aber wohl der Möbius-Bagel, den sie anlässlich ihrer Gastprofessur an der University of Chicago präsentiert. Cheng schneidet einen Bagel so zurecht, dass er wie ein Möbiusband aussieht und nur eine Seite hat. Ein weiterer Vorteil: So passt augenscheinlich sehr viel mehr Frischkäse und Lachs drauf, als auf das klassisch durchgeschnittene Gebäck. Schade nur, dass sie keine Anleitung zeigt, das würde man gerne mal nachmachen.

Die Vorführungen dauern nur ein paar Minuten und machen ziemlich viel Laune. Zwar verrät Cheng das Thema meist erst mitten in den Youtube-Videos. Aber das nervt nur im ersten Moment. Bald kann ich die Erwartungshaltung aufgeben und erst mal das Rezept genießen (ich ertappte mich schnell bei dem Wunsch, alles mal auszuprobieren), bevor das Rätsel aufgelöst wird. Ein schönes Beispiel für anschaulichen Unterricht. Kennen Sie weitere aus Ihrer Schul- und Unizeit?

(vsz)