"Das Ding sollte verrückt und spaßig aussehen"

Im Interview mit Technology Review spricht der Twitter-Mitbegründer Biz Stone über sein neues Projekt: die Social-Media-App "Super".

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Von
  • Rachel Metz

Im Interview mit Technology Review spricht der Twitter-Mitbegründer Biz Stone über sein neues Projekt: die Social-Media-App "Super".

Biz Stones Karriere basiert vor allem auf einer Idee: Er entwickelt Technik, mit der die Menschen besser kommunizieren können. Manchmal klappt das hervorragend: Twitter, zu dessen Hauptgründern der Silicon-Valley-Unternehmer zählt, wird mittlerweile von über 300 Millionen User im Monat genutzt.

Stone hat aber auch Rückschläge hinnehmen müssen: Jelly, eine App, die er 2013 entwickeln ließ und mit der Nutzer per Text und Bild Fragen stellen (und beantworten) können, setzte sich im Markt nicht durch. Nun versuchen es Stone und Jelly-Mitbegründer Ben Finkel noch einmal. Ihr neues Projekt heißt "Super" und wurde im vergangenen Herbst aus der Taufe gehoben.

Wie der Name schon sagt, geht es bei der neuartigen Social-Media-App um Superlative: Nutzer wählen zunächst ein buntes Rechteck mit einem Wort oder Satzteil in Großbuchstaben aus – wie etwa "DAS BESTE", "DAS SCHLECHTESTE" oder "ICH LIEBE". Dann ergänzen sie eine persönliche Nachricht als Text und können ein Bild hochladen oder sich eines über die App heraussuchen.

Im Interview mit Technology Review spricht Stone über seine Niederlage bei Jelly, erklärt, was die Super-App mit Kunst zu tun hat und beantwortet die Frage, ob Social Media mit Virtual Reality oder Augmented Reality zusammenpassen.

Technology Review: Herr Stone, Jelly, Ihre Frage- und Antwort-App, die Anfang 2014 öffentlich startete, ging weitgehend in die Hose. Wie hat Sie das zu Ihrem neuen Projekt Super geführt?

Biz Stone: Drei oder vier Monate nach dem Start von Jelly sahen wir, dass es sich noch nicht zu einem globalen Phänomen entwickelt hatte. Die App hat den Leuten nicht genug Spaß gemacht. Sie verwendeten sie für Hausaufgaben oder Matheprobleme – manche haben sogar Formeln abfotografiert. Mein Mitgründer Ben fand das nett und meinte: "Cool, da helfe ich doch, die zu lösen." Ich sah das kritischer und meinte, dass ich nicht weiß, wie groß eine solche App werden kann. Und dann haben Leute Insekten fotografiert und Sachen gefragt wie: "Was für eine Spinne ist das?" Die Könige der Spinnenidentifizierung wollten wir eigentlich nicht werden...

Wir setzten uns also zusammen und stellten uns die Frage, wie wir Jelly besser machen könnten. Wie könnte die App den Leuten mehr Spaß machen als jetzt? Die Lösung kam mir damals sehr einfach vor: Ich sagte, wir machen aus Frage und Antwort einfach Antwort und Frage. Also fangen wir mit einer Antwort an und die Frage ergibt sich daraus dann. Das war die Ursprungsidee hinter Super.

TR: Sie meinten einmal, die Super-App solle so aussehen, als wäre sie von der Konzeptkünstlerin Barbara Kruger gestaltet worden. Warum sollte sie einen solchen Look haben?

Stone: Das Ding sollte einfach verrückt und spaßig aussehen. Die Leute sollten die Möglichkeit bekommen, ein Kunstwerk zu schaffen – und zwar so leicht, wie man eine SMS schreibt. Das Ergebnis sollte dann so aussehen wie ein Werk von Barbara Kruger, Shepard Fairey oder Jean-Michel Basquiat. Kruger nimmt sich immer diese großen Schwarz-Weiß-Bilder vor und überlagert sie dann mit großen roten Rechtecken und Quadraten, auf denen dann in weißer Schrift ein provokanter Satz steht – wie etwa "Ich shoppe, also bin ich." Sie will die Leute wachrütteln, sie sollen wütend werden oder zumindest über die Aussage nachdenken.

Und das war die Idee bei Super – wir wollten die Leute nicht dazu zwingen, aber doch dazu ermuntern, etwas mit Nachdruck zu kommunizieren. Die vier Startbegriffe waren also "THE BEST", "THE WORST", "THE CRAZIEST" und "THE SEXIEST". Und das sind alles Superlative. Deshalb heißt die App auch Super.

TR: Sie gehören zu den Investoren der Augmented-Reality-Firma Magic Leap – auch wenn Sie selbst wie die meisten anderen Menschen noch gar nicht gesehen haben, an was dort gearbeitet wird. Wie passt eine App wie Super in den Bereich der erweiterten oder virtuellen Realität? Und wie sieht es mit anderen Social-Media-Anwendungen aus?

Stone: Wir haben uns mal aus Spaß 3-D-Brillen bei Amazon bestellt und fanden dann heraus, dass man die Farben in Photoshop so verändern kann, dass 3-D-Bilder auch auf einem Mobiltelefon funktionieren. Man zieht die Brille auf und es ist 3-D. Ich habe dann überlegt, ob wir einen 3-D-Knopf in der App platzieren, den man dann nur so sehen könnte. Deshalb zeigt das Icon von Super auch eine 3-D-Brille.

Aber echte Gedanken darüber, wie man mit so etwas praktisch [im Rahmen von Augmented-Reality-Anwendungen, Anm. d. Red.] herumlaufen würde, habe ich mir noch nicht gemacht. Ich denke, in einem ersten Schritt wäre Super dann wie in einem Museum. Man schaut sich die Wände in der Nähe an und liest dann all diese Postings. Das wäre ziemlich lustig.

Virtual Reality passt hier für mich nicht so, da denke ich eher an Bildungsanwendungen und Geschichten, nicht an Messaging. Da geht doch darum, tief in neue Welten einzutauchen, oder nicht?

(bsc)