Aus der Mücke eine Karte machen

In dem Citizen Science-Projekt Mückenatlas wird das Vorkommen von Stechmücken in Deutschland online kartiert. Auch Bürger können dabei helfen, die Datenbank mit Geoinformationen über die Blutsauger anzureichern.

vorlesen Druckansicht 1 Kommentar lesen
Lesezeit: 3 Min.

In dem Citizen Science-Projekt Mückenatlas wird das Vorkommen von Stechmücken in Deutschland online kartiert. Auch Bürger können dabei helfen, die Datenbank mit Geoinformationen über die Blutsauger anzureichern.

Wenn nun die Temperaturen wieder steigen, bringt das unweigerlich auch das Surren von Mücken mit sich. Aber Mücke ist nicht gleich Mücke. Rund 3.500 Stechmückenarten gibt es weltweit. In Deutschland fliegen davon 45 Arten durch die Luft. Welche Tiere das sind und wo sie sich verbreiten, dokumentieren das Leibniz-Zentrum für Agrarlandschaftsforschung (ZALF) und das Friedrich-Loeffler-Institut (FLI) mit ihrem Mückenatlas. Die Map-Anwendung soll in diesem Jahr vor allem zeigen, ob die Asiatische Tigermücke, die 2014 erstmals in Deutschland entdeckt wurde, erneut in Baden-Württemberg auftaucht. Die Wissenschaftler halten das angesichts der milden Temperaturen im vergangenen Winter für nicht unwahrscheinlich.

Der Mückenatlas schließt eine Lücke in der Forschungsliteratur über die kleinen Blutsauger. Denn es ist zwar viel bekannt über tropische Arten, die in ihrer Heimat Krankheitserreger übertragen. Aber die Kenntnisse über einheimische Arten sind noch spärlich. Beispielsweise ist nicht klar, ob einheimische Mücken auch eingeschleppte tropische Erreger übertragen können. Die in Deutschland lebenden Arten anhand von Geo- und Fachdaten festzuhalten, legt eine wichtige Grundlage für die Forschungsarbeit.

Die Asiatische Tigermücke ist eine der Arten, die durch Einsendungen von Bürgern entdeckt wurden. Über 25.000 Stechmücken wurden den Wissenschaftlern für den Mückenatlas seit dessen Start 2012 zugeschickt. Wichtig für die Bestimmung ist, dass die Exemplare nicht zerquetscht oder beschädigt werden. 41 Arten ließen sich durch das Crowd-Sourcing-Prinzip bisher in der Datenbank erfassen und kartieren. Ob sich die Tigermücke in Deutschland weiterverbreitet? „Sollten es die eher wärmeliebenden Tigermücken geschafft haben, den Winter am Oberrhein zu überstehen, besteht eine günstige Ausgangsposition für den Aufbau einer gefestigten Population dieser Stechmückenart in Süddeutschland“, sagt Projektleiterin Doreen Werner vom ZALF.

Aedes albopictus bahnt sich seit Ende der 1980er Jahre ihren Weg von Südeuropa immer weiter in den Norden. Nördlich der Alpen seien nach Angaben der Experten vom ZALF und FLI bislang noch keine etablierten Populationen dokumentiert. Die Tigermücke gilt als potenzieller Überträger vieler Krankheitserreger. In Südfrankreich, Kroatien und Norditalien hat sie den Erreger für Chikungunya- und Dengue-Fieber übertragen.

Um weiter Erkenntnisse über die Stechmücken zu gewinnen, fördert die Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung (BLE) für die kommenden drei Jahre diese Disziplin bei den erforderlichen Maßnahmen. Dazu zählt etwa das gezielte Aufstellen von Fallen, aber auch der Ansatz als Citizen Science-Projekt. (jle)