Es steht "Sieger" drauf
Die Landyacht läuft kurz auf drei Zylindern, der vierte Pott schaltet sich aber rechtzeitig wieder dazu, um uns einen vollkommen unerwarteten Sieg in einer Wertungsprüfung zu ermöglichen
Zweiter Rallye-Tag, morgens zu unchristlich früher Uhrzeit in der Tiefgarage. Die Tiefgarage hat einen CO2-Sensor, der schon angeht, wenn der Rolls bei Standgas auf seinen Parkplatz brummelt. Sie hyperventiliert andauernd, denn sie steht voll mit alten Autos großzügiger Behubraumung. Zum Glück hat die Garage nicht auch noch einen Sensor für unverbrannte Kohlenwasserstoffe, denn dann würde sie ohne Unterbrechung kreischen. Die meisten der Oldtimer sind für einen geschmeidigeren Motorlauf konservativ etwas fetter eingestellt, da schwirrt einem auch ohne speziellen Sensor schnell der Kopf im Benzindunst. Eigentlich müsste der Motor schon allein mit Garagenluft starten. Tut er aber nicht.
Choke ziehen. Rödelrödelrödel. Nichts. Am Gas spielen, das große No-Go vieler moderner Gemischsteuersysteme. Rödelrödelrödel. Nichts. Hm. Gestern sprang der Wagen auch zäh an, aber er sprang immerhin irgendwann. "Lass mich mal", sagt Beifahrer Benni. Wir tauschen. Er steckt den Choke zurück auf Aus, pumpt am Gaspedal, betätigt den Starter, Karre läuft. Peinlich. Der Motor will mit leichten Gasstößen am Leben gehalten werden, bis er seine Betriebstemperatur erreicht. Mein Tagesziel ist, diesen Motor auch sofort starten zu können. "Ich habe mittlerweile ein Gefühl dafür", sagt Benni. "Bisschen pumpen am Pedal hilft meistens."
Es steht "Sieger" drauf (6 Bilder)

Der Spaß ist vorbei
Die Stimmung der Spaßgesellschaft des ersten, halben Rallye-Tages ist ein bisschen vorbei. Der Halbtag hat gezeigt, dass es überhaupt kein Problem mit der Fotoproduktion gibt, weil trotz Fotofahren immer genug Zeit bleibt, die Durchfahrtkontrollen zu erreichen. Die so freigesetzten Ressourcen reichern sich an latentem, beständig steigenden Ehrgeiz an. Den Prinz Leopold könnte man sich zum Beispiel als BMW-interne Konkurrenz hernehmen, wenn der Rolli mit den Modebloggerinnen darin schon nicht satisfaktionsfähig fährt.
Die Wertungsprüfungen laufen wie mit Schmiermaxe. Ich erinnere mich an ein großes S auf dem gepflasterten Vorplatz eines Schlosses mit zwei Zeitmessungen. Die Durchfahrten fühlten sich sehr auf den Punkt genau an. Nimm dies, Bayernprinz! Doch wieder auf der Landstraße verabschiedet sich urplötzlich mitten in einer Kurver einer von vier Zylindern aus der Zündfolge. Kurz kommt er wieder bei höherer Drehzahl, dann sind es jedoch wieder nur drei. Da Benni sowieso ein etwas längeres Arbeitstelefonat führen muss, lege ich mit der Landyacht in einer kleinen Bucht unter einem Baum an.