Interesse steigt für chinesische Telekom-Aktien

Gestern wurden erstmals die Aktien des zweitgrößten staatlichen chinesischen Telekom-Operators Unicom gehandelt.

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Von
  • Monika Ermert

Gestern wurden erstmals die Aktien des zweitgrößten staatlichen chinesischen Telekom-Operators Unicom gehandelt. Der Börsenstart an der amerikanischen Nasdaq und der Börse in Hongkong, der rund 5 Milliarden US-Dollar in die Kassen der Unicom schwemmen soll, verlief wie erwartet gut. Der Preis für die ausgegebenen 245,9 Millionen Aktien lag schon zu Beginn des Handels mit 22,25 US-Dollar über dem Ausgabepreis von 19,99 US-Dollar und schloss bei 22,38 US-Dollar – ein deutliches Signal für das Interesse amerikanischer Investoren am chinesischen Telekommunikationsmarkt. Für den heutigen Ersthandelstag in Hongkong wird ein ähnlich guter Start erwartet. Der mit sieben Millionen Kunden zweitgrößte Telekom-Konzern, der von Chinas kommunistischer Führung als Konkurrent zum Staatsmonopolisten China Telecom geschaffen worden war, hat damit auch den Börsengang des Konkurrenten China Mobile im Oktober 1997 in den Schatten gestellt.

Unicom hatte bereits in einer Pressekonferenz vor gut einer Woche angekündigt, rund 80 Prozent des eingenommenen Geldes werde für den Ausbau der eigenen Mobilnetze verwandt, 20 Prozent flössen in den Ausbau des Glasfaser-Backbones in China. Die Gewichtung spiegelt zumindest teilweise die Erwartung wieder, dass die Mobiltelefonie als der größte Markt – auch für den Internet-Zugang – für die nächsten Jahren eingeschätzt wird. Bis Ende 2002 plant die Unicom Investitionen von 1,2 Milliarden US-Dollar.

Die chinesische Tageszeitung Beijing Youth Daily urteilte im Vorfeld, der Börsengang sei ein Prüfstein für das Vertrauen der Investoren in den chinesischen Telekommunikationsmarkt. Gleichzeitig sei dies eine Chance für ausländische Investoren, schon jetzt den chinesischen Markt zu besetzen, dessen allmähliche Öffnung mit dem WTO-Beitritt zwingend notwendig werde.

Der von Unicom zunächst beschrittene Weg, Kapital durch Beteiligungen ausländischer Telekom-Unternehmen (darunter auch der Deutschen Telekom) über eine Tochtergeselschaft zu beschaffen, platzte nach einem Einspruch des zuständigen Ministeriums im vergangenen August. Ein Teil der damaligen Investoren soll nun auch über Aktienanteile beim Börsengang entschädigt werden. Zugleich führt die Unicom nach Berichten der chinesischen Finanancial Daily bereits Gespräche mit verschiedenen Unternehmen wie France Telecom und Vodafone hinsichtlich einer zweiten Aktienzuteilung. In China war der Börsengang in den USA heute kein großes Thema. Ein Sprecher der Unicom in Peking sagte, die verantwortlichen Manager seien "alle noch im Ausland", für die Börsenentwicklung empfahl er den Blick ins Internet. Chinas Bürger können sowieso nicht ohne weiteres Unicom-Aktien kaufen: Sie dürfen keine Depots im Ausland eröffnen. (Monika Ermert) / (jk)