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Arme Menschen sollen bald von kostenlosem Internet via Satellit profitieren: Ein Start-up mietet Übertragungskapazität und bietet so Zugriff auf Wikipedia und andere nützliche Online-Informationen in entlegenen Regionen.
- Tom Simonite
Arme Menschen sollen bald von kostenlosem Internet via Satellit profitieren: Ein Start-up mietet Übertragungskapazität und bietet so Zugriff auf Wikipedia und andere nützliche Online-Informationen in entlegenen Regionen.
Was bekommt man, wenn man einen Satelliten-TV-Empfänger mit dem Internet kreuzt? Laut dem Start-up Outernet eine Möglichkeit, Milliarden von Menschen die Vorteile von Online-Informationen zugänglich zu machen.
Outernet ist derzeit dabei, Kommunikationssatelliten zu mieten und mit ihnen die Hälfte der Erdoberfläche mit einem Signal aus Internet-Daten zu versorgen. Enthalten sind ein Großteil der Wikipedia, Open-Source-Software, Gesundheitsinformationen von den Centers for Disease Control und internationale Nachrichten. Billige Geräte auf der Grundlage von normalen Satelliten-Empfängern speichern die stückweise übertragenen Daten und bauen ein lokales WLAN-Netz auf, über das Computer, Telefone und Tablets die geladenen Inhalte abrufen können.
Aktuell werden die ersten 100 Prototypen dieser Geräte mit dem Code-Namen „Pillar“ gebaut und im Feld getestet. Eines ist bereits in einem Dorf im Westen Kenias im Betrieb, ein weiteres in der Dominikanischen Republik, ein drittes soll bald in einer Anarchisten-Community in Detroit installiert werden, die versucht, ohne moderne Infrastruktur zu leben. Derzeit versendet Outernet pro Tag etwa 200 Megabyte an Daten, was für regelmäßige Aktualisierungen bei Nachrichten und Wettervorhersagen ausreicht. Das Signal erreicht Nord- und Zentralamerika, den gesamten afrikanischen Raum unterhalb der Sahara, Europa sowie Teile von Asien und Nahost.
Nach Angaben von Syed Karim, dem Gründer und CEO von Outernet, liegt das Ziel des Unternehmens darin, das Leben und die wirtschaftlichen Chancen der Ärmsten der Welt zu verbessern. „Was sind die Elemente, die jeder braucht, um weiterzukommen? Energie ist wahrscheinlich das Wichtigste, und als nächstes kommt Information, ob für Bildung oder zur Kommunikation“, sagt er.
Nach Schätzungen der UN nutzen 4,3 Milliarden Menschen noch nicht das Internet, weil die Kosten dafür zu hoch sind oder es in ihrer Gegend keine Infrastruktur dafür gibt. Das kostenlose Signal von Outernet könnte vielen dieser Menschen laut Karim eine Chance verschaffen, relativ rasch auf nützliche Online-Informationen zuzugreifen. Die Weltbank hat sich bereit erklärt, die Installation von Pillar-Geräten im Südsudan zu unterstützen, um damit Bildungsmaterial für Schulen zu verbreiten. Allerdings brauchen Schüler und Lehrer dann weitere Geräte oder Drucker, um die Inhalte nutzen zu können.
Die Designs und Software für die Pillars sind kostenlos verfügbar, so dass Privatpersonen oder Unternehmen ihre eigenen Versionen entwickeln können. Derzeit kostet die Produktion 150 Dollar pro Stück. Bei höheren Stückzahlen dürften die Kosten jedoch unter 100 Dollar fallen, sagt Karim.
Parallel dazu arbeitet Outernet an einem mit Solarstrom versorgten Receiver namens Lantern. Er kann an eine Satellitenschüssel angeschlossen werden, um das bestehende Outernet-Signal zu empfangen, außerdem ist eine weitere Antenne für den Empfang eines anderen Satelliten-Signals eingebaut, das Outernet in diesem Sommer aktivieren will. Das Unternehmen hat Bestellungen für 5.000 Lantern-Geräte vorliegen. Mit einer Förderung der U.K. Space Agency sollen drei Satelliten speziell für das Lantern-Signal gemietet werden. Die ersten Satelliten und portablen Lantern-Empfänger sollen Ende des Jahres bereit sein.
Bislang finanziert sich Outernet vor allem über eine Crowdsourcing-Kampagne, die 600.000 Dollar eingebracht hat – verschwindend wenig im Vergleich zu den Mitteln von anderen Unternehmen, die ebenfalls mit neuen Technologien für breiteren Internet-Zugang sorgen wollen. Google will bald die ersten weltweiten Tests mit seinen „Loon“-Ballons beginnen, die von der Stratosphäre aus Internet-Zugang für bestehende Mobilgeräte ermöglichen. Außerdem testen Google und Facebook in großer Höhe fliegende Drohnen für solche Dienste, und SpaceX sowie weitere Unternehmen planen Flotten von Internet-Satelliten in einer niedrigen Erdumlaufbahn.
Karim hält dem entgegen, dass diese Projekte bislang darauf abzielen, mit bestehenden Telekommunikationsnetzen integriert zu werden, und keinen kostenlosen Zugriff auf Informationen bieten. Outernet sendet bereits und sollte deshalb in der Lage sein, vielen Menschen rasch zu helfen, sagt er. Auch das Projekt Internet.org von Facebook ermöglicht eine kostenlose Nutzung von Teilen des Web wie Wikipedia oder Nachrichtenseiten, erreicht aber nur Orte, die im Abdeckungsbereich von konventionellen Mobilfunknetzen liegen.
Langfristig will Outernet zur eigenen Finanzierung agieren wie ein traditioneller Rundfunksender. Jeder Medienanbieter mit genügend Nutzern könne Geld verdienen, indem er gegen Bezahlung Zugang zu seinem Publikum vermittelt, erklärt Karim. „Wir werden die wirtschaftliche Leiter zusammen mit unseren Kunden erklimmen“, kündigt er an.
(sma)