Mittelamerikas grünes Vorzeigeland: Stromversorgung in Costa Rica

Auf fossile Brennstoffe kann Costa Rica fast verzichten. Größtenteils über die Wasserkraft deckt das Land seinen Energiebedarf, doch lange Trockenzeiten bedrohen die positive Bilanz.

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Costa Rica: Grünes Vorzeigeland

Der Arenal-See ist das größte Binnengewässer Costa Ricas. Mit seiner Wasserkraft wird Energie gewonnen.

(Bild: Grez / Wikimedia Commons / CC BY-SA 3.0)

Lesezeit: 3 Min.
Von
  • Klaus Sieg

Costa Rica bestreitet seine Stromversorgung schon seit über 100 Tagen ohne CO2-Emissionen. Experten erwarten sogar, dass das Land zwischen Nicaragua und Panama dieses Jahr seinen Bedarf zu 97 Prozent ohne den Einsatz fossiler Brennstoffe decken wird. Damit könnte das Land sein ehrgeiziges Ziel erreichen, spätestens 2021 auf eine komplett erneuerbare Stromversorgung umzustellen, berichtet das Magazin Technology Review in seiner aktuellen Juni-Ausgabe (am Kiosk zu kaufen und online bestellbar).

"Das Beispiel Costa Rica zeigt, dass die Versorgung ausschließlich mit Erneuerbaren möglich ist“, sagt Walter Vergara, Klimawissenschaftler beim World Resources Institute in Washington. Das Land hat gute Voraussetzungen: Fast siebzig Prozent der Energieversorgung deckt Wasserkraft ab. Schon seit den 1950er-Jahren setzt Costa Rica auf diese Stromquelle. Weil im letzten Winter zudem extrem viel Regen fiel, sind die Stauseen randvoll. Mit der guten Nachricht einher geht allerdings auch eine schlechte: Die Folgen des vielen Regens in kurzer Zeit sind "lange Trockenperioden", so Vergara.

Die Ursache für diese Extreme sieht er im Klimawandel – und der könnte Costa Ricas grüne Bilanz künftig zunichte machen. Für Manfred Haebig von der Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) in der Hauptstadt San José „beeinträchtigt der Klimawandel die Versorgung durch Wasserkraft“. Die Sommer in Costa Rica zwischen Dezember und Mai sind trocken. Regen fällt im Winter, zwischen Juni und November. Bleibt der aber aus, wie in den letzten Jahren häufig geschehen, versagt die Wasserkraft im trockenen Sommer, weil die Stauseen leer sind.

Dann muss das 200-Megawatt-Kraftwerk El Garabito einspringen. Die 2010 fertiggestellte Anlage im Westen des Landes bei der Stadt Puntarenas ist zwar mit modernen Generatoren ausgestattet, läuft aber mit dreckigem Schweröl. Eigentlich sollte El Garabito nur als Backup-Kraftwerk dienen. Doch in manchen Jahren ging es in der Trockenzeit gar nicht mehr vom Netz.

Mit Unterstützung der GIZ will die Regierung Costa Ricas deshalb die Energieversorgung diversifizieren. Eine besondere Rolle soll dabei die Geothermie spielen, die bereits 15 Prozent der installierten Kraftwerksleistung ausmacht. Zwei neue Geothermie-Kraftwerke mit einer Leistung von insgesamt 165 Megawatt sollen hinzukommen.

Aufgrund der beiden Küsten an Pazifik und Atlantik herrscht eine ausgeprägte Thermik. „Das Land verfügt über einige der besten Windstandorte der Welt“, sagt Claus-Bernhardt Johst, Berater für Energieeffizienz und erneuerbare Energien in der Industriekammer Costa Rica. Obwohl sich mittlerweile zahlreiche Windenergie-anlagen drehen und fünf neue Projekte mit insgesamt 100 Megawatt eine Genehmigung haben, werden die Potenziale längst nicht ausgeschöpft. Noch wenig bis gar nicht entwickelt sei die Photovoltaik. Johst gibt dafür dem Monopolisten Instituto Costarricense de Electricidad (ICE) die Schuld. Der staatliche Versorger hätte sich zu lange auf der Wasserkraft ausgeruht. „An dezentralen Lösungen mit Photovoltaik haben die bislang kein Interesse gezeigt.“ Erst jetzt, mit dem neuen Nationalen Plan zur Energie-versorgung, würde sich das ändern. (jle)