Tim Berners-Lee: Zum 60. Geburtstag ins Museum
Tim Berners-Lee hat sein 60. Lebensjahr vollendet. Die britische National Portrait Gallery stellte zu diesem Anlass eine Statue des "Erfinders" des World Wide Web vor.
(Bild: Sean Henry / National Portrait Gallery, London)
- Detlef Borchers
Zum 60. Geburtstag von Tim Berners-Lee hat die National Portrait Gallery eine Statue des Physikers und Informatikers in ihre Sammlung aufgenommen. Sie zeigt den Mann, der am Genfer CERN den Grundstein für das World Wide Web legte, mit aufrechtem Gang, den Laptop in einem Rucksack geschultert. Am Wochenende feierte zudem das Web We Want-Festival den Briten, der unerschütterlich darauf besteht, dass das Netz für alle da sein muss. Zu seinem Geburtstag bekräftigte Berners-Lee seine Ansicht, dass das World Wide Web ein höheres Gut ist, das der Allgemeinheit dienen sollte.
Die von Sean Henry gestaltete Skulptur des vielfach geehrten Briten, der im Jahre 2004 von Queen Elizabeth geadelt wurde, entstand nach etlichen Gesprächen und Sitzungen mit dem derzeit in den USA lebenden Berners-Lee. Er wollte nicht vor einem Computer sitzend dargestellt werden, wie er seinen berühmten Vorschlag formuliert oder wie er Code programmiert. In ihrer Zerknautschtheit erinnert die Skulptur an das Kunstwerk, das Davide Dormino zu Ehren der Whistleblower schuf.
Übergriffiger als die NSA
Zur feierlichen Enthüllung seines Portraits forderte Berners-Lee seine Landsleute auf, sich gegen alle Bemühungen zu wehren, das Web zu überwachen. Sowohl das geplante britische Kommunikationsgesetz wie die Facebook-Initiative Internet.org seien Versuche, das Internet unter Kontrolle zu bringen und damit das freie Internet abzuschaffen.
Edward Snowdens Enthüllungen haben nach Ansicht von Berners-Lee gezeigt, dass Großbritannien mit den Überwachungsaktionen seines Geheimdienstes GCHQ nicht auf dem hohen moralischen Ross reite, auf dem es sich selbst wähnt. Das GCHQ habe Aktionen durchgeführt, die selbst den Amerikanern zu übergriffig waren. Hier müsse Großbritannien in der Tradition der Magna Charta eine neue Führungsrolle übernehmen und der Welt erklären: "Wir haben solide Gesetze zum Schutz der Privatsphäre auf die man sich als Individuum verlassen kann, auf die man sich als Unternehmen verlassen kann." (anw)