US-Juristen können Prozess-Strategie online testen
Ein Web-Tool bringt in den USA Juristen und Testjurys zusammen. Das nutzen Anwälte, um ihre Argumente zu überprüfen. Die Online-Befragung soll Kosten von Probeprozessen mit anwesenden Versuchsgeschworenen ersparen.
(Bild: Henryk Sadura / shutterstock)
- Nanette Byrnes
Wie werden die Geschworenen auf ein Argument der Verteidigung reagieren? Wie sollte ein Anwalt seine Indizien am besten präsentieren? Um das schon vor einem Prozess herauszufinden, leisten sich US-Kanzleien oft Testjurys aus bezahlten Versuchspersonen. Die Firma DecisionQuest bietet dazu eine Alternative, berichtet Technology Review in seiner Online-Ausgabe. Sie hat ein eigenes Web-Tool mit 3,5 Millionen Pseudo-Geschworenen aufgebaut, um die Wirkung verschiedener Argumente zu überprüfen. Nun spannen Juristen auch die Crowd ein. Sie nutzen dazu Amazons Mechanical Turk – eine Plattform, in der Menschen für kleine Beträge Aufgaben erledigen, mit denen Computer noch überfordert sind.
In ein bis zwei Tagen können Online-Jurys genauso viele Antworten liefern wie traditionelle Testjurys in ein oder zwei Monaten – und das zu viel niedrigeren Kosten. Eine 20-minütige Befragung ist bei Amazon für rund fünf Dollar pro Person zu haben. Komplette Studien mit Online-Geschworenen kosten etwa 5000 bis 20.000 Dollar. Bei Menschen aus Fleisch und Blut werden 50.000 bis 150.000 Dollar fällig.
Welche Erkenntnisse Juristen damit erhalten, berichtet etwa Jessica Salerno, Assistenz-Professorin an der Arizona State University. Mit Amazons Mechanical Turk fand sie beispielsweise heraus, dass Juroren eher auf schuldig plädieren, wenn ihnen Tatortfotos in Farbe präsentiert werden. Probeprozesse mit anwesenden Versuchsgeschworenen würden dadurch aber nicht überflüssig, glaubt Anwalt Michael Cypers. Nur diese böten die Möglichkeit, "in ihre Augen zu schauen und ihre Reaktionen zu sehen".
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(jle)