Echtzeitnachrichten auf dem Handy

Die App Beam Messenger sendet jedes eingegebene Zeichen einer Textbotschaft sofort an den Kommunikationspartner.

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Von
  • Rachel Metz

Die App Beam Messenger sendet jedes eingegebene Zeichen einer Textbotschaft sofort an den Kommunikationspartner.

Wenn man jemandem auf seinem Smartphone eine Textnachricht sendet, kann der Empfänger nicht sehen, ob die Botschaft, die erscheint, schnell und ohne großes Nachdenken eingetippt wurde – oder sich der Verfasser viel Zeit genommen hat, um die richtigen Worte zu finden. Manche App zeigt noch an, dass der Kommunikationspartner gerade tippt – das ist aber auch schon alles.

Eine neue Smartphone-Software namens Beam Messenger will das nun ändern: Sie zeigt an, was die Person am anderen Ende der Leitung schreibt, während sie es schreibt. Die Grenzen zwischen Textnachricht und persönlichem Gespräch sollen so verwischt werden.

Beam ist kostenlos und kam im November zunächst für Android-Geräte auf den Markt. Alec Gordon, Mitbegründer und Chef des Herstellers Beam Propulsion Lab aus Toronto, reicht das aber nicht: Er arbeitet derzeit an einer iPhone-Version – und auch die Android-App soll deutlich verbessert werden. Beide Programme werden bis Ende Juni auf den Markt kommen und Nutzern erlauben, Echtzeittextgespräche auch mit Personengruppen zu führen. Auch eine PC-App sei in Arbeit, sagt Gordon.

Beams Idee, jeden einzelnen Buchstaben anzuzeigen, mag auf manchen Nutzer unattraktiv oder gar etwas "creepy" wirken, doch sie ist ein Beispiel dafür, welchen inneren Kampf Smartphone-Besitzer tagtäglich mit sich führen. Sie bewegen sich zwischen dauerndem Kontakt mit dem Rest der Welt und bewusst gewollter Distanz.

SMS und Textnachrichten sind nach wie vor die populärste Anwendung auf den Geräten. Und das nicht nur, weil es sich um schnelle und einfache Kommunikationsarten handelt, sondern auch, weil man sich so mit anderen Menschen immer dann beschäftigen kann, wenn man dazu Lust verspürt. Unangenehme Gesprächspausen wie am Telefon (oder Versprecher) werden vermieden.

Beam wettet darauf, dass eine noch schnellere Informationsvermittelung in Verbindung mit einer Übertragung ohne jeden zusätzlichen Filter ein Gefühl von Intimität vermittelt, das man sonst nur von Gesprächen von Gesicht zu Gesicht kennt. Gleichzeitig soll die Einfachheit der textlichen Kommunikationsform erhalten bleiben.

Die Beam-App ist ziemlich simpel gestrickt: Man kann ein Gespräch mit all jenen starten, die die App bereits haben – und während der Konversation sehen beide in Echtzeit, was der jeweils andere tippt. Alles Eingegebene kann geändert oder gelöscht werden, bevor die andere Person die Return-Taste drückt. Wenn eine Person tippt, kann sie die andere unterbrechen, in dem sie selbst zu tippen anfängt. Diese Unterbrechungen werden im Kommunikationsfluss angezeigt. Ist die Beam-App nicht direkt geöffnet, arbeitet sie wie andere Messenger-Programme und zeigt die Botschaft sofort auf dem Bildschirm.

Gordon zufolge war die größte Herausforderung bei der Entwicklung von Beam Messenger, die Geschwindigkeit und Frequenz der Zeicheneingabe korrekt abzubilden. Die App muss spiegeln, was sich auf dem Handy des Absenders tut – und das möglichst schnell. Gleichzeitig müssen Pausen so abgebildet werden, dass sie sich genauso anfühlen, wie sie (womöglich) gemeint sind.

Ob sich die Idee des Echtzeit-Messengers durchsetzt, bleibt abzuwarten. So gibt es schon jetzt Nutzer, die nicht mögen, dass ihr Kommunikationspartner überhaupt sieht, dass sie gerade schreiben – wie etwa die drei Punkte in Apples Messages-App. Beam wäre noch deutlich aufdringlicher. "Definitiv wird es Leute geben, die die Idee doof finden. Es fühlt sich einfach ganz anders an", sagt Gordon. "Doch das ist bei fast jeder neuen Technik so." (bsc)