Gleiter trimmen
Wer bisher nur Kopter geflogen ist, tut sich vielleicht schwer, bei seinem ersten Flugzeug mit Tragflächen und Heckleitwerk die richtige Trimmung zu finden. Hat man das Prinzip aber einmal verstanden, ist es in der Regel nicht schwer, das Modell ins Gleichgewicht zu bringen.
Alle Flugmodelle mit Tragflächen – ob es sich um einen Gleiter wie unseren Raketenklappflieger oder ein Motorflugzeug wie den "Da Capo" handelt – müssen vor dem ersten Start mit Antrieb oder Katapult sorgfältig eingeflogen und vor allem getrimmt werden.
Schwerpunkt
(Bild:Â Heinz Eder)
Der Schwerpunkt spielt für die Trimmung eine entscheidende Rolle. Baut man nach Plan, ist der vorgesehene Schwerpunkt oft genau eingezeichnet. In der Regel liegt er im vorderen Drittel bis etwa auf der Hälfte der Tiefe der Tragfläche. Balanciert man ein Modell auf zwei Fingerspitzen unter der Tragfläche rechts und links vom Rumpf oder auch auf einer speziell zugeschnittenen Lehre etwa aus Depron, Balsaholz oder Karton, so sollte der Rumpf waagerecht liegen, wenn die Finger oder die Lehre die Tragfläche direkt am vorgesehenen Schwerpunkt unterstützen. Ist das nicht der Fall, hilft eine der weiter unten aufgeführten Maßnahmen. Falls im Plan kein Schwerpunkt angegeben ist, ist die Mitte der Tragflächentiefe als hypothetischer Schwerpunkt ein grober Anhaltspunkt für den ersten Gleitversuch.
Gleitflug
Der erste Flug sollte stets ein Gleitflug sein – auch bei motorbetriebenen Modellen. Man schiebt das Modell vorsichtig mit etwa waagerechtem Rumpf in die Luft und gibt es dann frei. Eine weiche Rasenfläche eignet sich gut als Umgebung für den ersten Testflug; auf Steinboden gehen Modelle im Gleitflug schneller zu Bruch, als man denkt – vor allem, wenn die Trimmung (noch) nicht stimmt.
Drei Verläufe sind für den erste Gleitversuch typisch:
- Das Modell gleitet in mäßigem oder schnellerem Sinkflug (je nach Flügelfläche und Gewicht) in einer gleichmäßigen Flugbahn zu Boden und landet sanft. Dann ist die Trimmung schon prima! (Das kommt aber eher selten vor.)
- Das Modell gleitet in einem Bogen nach unten, nimmt dabei Fahrt auf und landet eher unsanft auf der Nase. Dann ist das Modell kopflastig.
- Das Modell nimmt die Nase nach oben, steigt etwas, verliert dabei aber an Fahrt, bis es plötzlich nach vorne kippt, Höhe verliert und Fahrt aufnimmt, um wieder zu steigen und langsamer zu werden. Das wiederholt sich, bis das Modell mehr oder weniger sanft zu Boden geht. Weil der Flieger dabei eine Wellenbewegung beschreibt, spricht man manchmal auch von "pumpen". Zeigt sich dieses Verhalten, ist das Modell schwanzlastig.
Trimmung
Bei einem kopflastigen Modell hat man drei Möglichkeiten:
- Wenn die Tragfläche verschiebbar auf dem Rumpf angebracht ist (wie zum Beispiel beim "Da Capo"), verschiebt man die Tragfläche ein Stückchen nach vorne. Dann wird der Hebelarm der Rumpfnase etwas kleiner.
- Falls das Modell durch ein Gewicht an der Rumpfnase – etwa Bleikügelchen – ausgewogen wurde, kann man etwas Gewicht entfernen. Beide bisher genannten Maßnahmen kann man durch erneutes Balancieren der Tragflächen kontrollieren.
- Schließlich kann man den Einstellwinkel (=Winkel zwischen Flugrichtung und Tragfläche in Querrichtung) vergrößern, indem man entweder die vordere Kante der Tragfläche gegenüber dem Rumpf etwas erhöht (was beim Raketengleiter aus Make 3/15 durch vorsichtiges Biegen am Spreizdraht erreicht wird). Oder aber man gibt dem Höhenruder etwas Ausschlag nach oben, was das Rumpfende im Flug leicht nach unten trimmt, wodurch der Einstellwinkel ebenfalls erhöht wird.
Bei einem schwanzlastigen Modell hat man analog ebenfalls drei Möglichkeiten:
- Wenn die Tragfläche verschiebbar auf dem Rumpf angebracht ist (wie zum Beispiel beim "Da Capo"), verschiebt man die Tragfläche ein Stückchen nach hinten. Dann wird der Hebelarm der Rumpfnase etwas größer.
- Falls das Modell durch ein Gewicht an der Rumpfnase – etwa Bleikügelchen – ausgewogen wurde, kann man etwas Gewicht hinzufügen. Beide bisher genannten Maßnahmen kann man durch erneutes Balancieren der Tragflächen kontrollieren.
- Schließlich kann man den Einstellwinkel (=Winkel zwischen Flugrichtung und Tragfläche in Querrichtung) verringern, indem man entweder die hintere Kante der Tragfläche gegenüber dem Rumpf etwas erhöht (was beim Raketengleiter aus Make 3/15 durch vorsichtiges Biegen am Spreizdraht erreicht wird). Oder aber man gibt dem Höhenruder etwas Ausschlag nach unten, was das Rumpfende im Flug leicht nach oben trimmt, wodurch der Einstellwinkel ebenfalls verringert wird.
Für welche Art der Trimmung man sich entscheidet, hängt von der Konstruktion des Modells ab. Auf jeden Fall sollten Korrekturen immer nur sehr behutsam erfolgen und auf keinen Fall mehrere Maßnahmen auf einmal durchgeführt werden. Durch wiederholte Gleitflüge und vorsichtiges Nachtrimmen kommt man zu einem ausgewogenen Modell – mit dem man anschließend auch Motorflüge und Katapultstarts riskieren kann. (pek)