Günstiger SDR-Empfänger für Satelliteninternet

Das Outernet-Projekt hat einen Software-Defined-Radio-Empfänger herausgebracht, um DVB-S-Satellitensignale mit dem PC zu verarbeiten. Damit ist der Internetzugang auch in Gegenden ohne Netzwerkinfrastruktur möglich.

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SDR-Empfänger fürs Satelliteninternet
Lesezeit: 3 Min.
Von
  • Friederike Maier
  • Daniel Bachfeld

Kostenlose Webinhalte aus dem All verspricht das Start-Up Outernet. Dafür mietet das Unternehmen Bandbreite auf Kommunikationssatelliten und sendet Inhalte wie die Wikipedia, Gesundheitsinformationen und Nachrichten in entlegene Regionen ohne Internet. Im März hat etwa die Universität Wien verkündet, Bodenmesswerte über Outernet zu verbreiten. Damit könnten Bauern Trockenzeiten und mögliche Dürrekatastrophen besser vorhersagen. Auch ein "Rückkanal" ist geplant. Per SMS, auf dem Postweg oder auch per Twitter, E-Mail und über die Website können bestimmte Inhalte angefordert werden.

Zum Empfang hat Outernet jetzt ein modifiziertes Software Defined Radio auf Grundlage des RTL2832U-Chip von Realtek herausgebracht. Das auch RTL-SDR-Frontend genannte System ist in vielen DVB-T-Sticks zu finden, die sich mit spezieller PC-Software als günstige Breitband-Empfänger einsetzen lassen. Eine Einführung in RTL-SDR finden sie auch in c't Hacks 2/14.

Outernet hat das RTL-SDR Frontend für den Frequenzbereich von 925 MHz bis 2175 MHz optimiert

Um den Frequenzbereich von 925 MHz bis 2175 MHz abzudecken, wurde das Outernet-Board mit einem MAX2120-Tuner-Chip ausgestattet. Außerdem wurden das Layout und einige HF-Teile optimiert um störende Oberwellen aus dem interessanten Frequenzbereich zu verbannen, schreibt Outernet in einem Blogpost.

Damit ergänzt das Frontend die bereits verfügbaren RTL-SDR-Frontends um einen interessanten Frequenzbereich. Einzig das Frontend mit Elonics E4000 Tuner geht bereits bis 2200 MHz, ist aber inzwischen nur noch schwer bei Händlern zu finden. Die in vielen DVB-T- und DAB-USB-Empfängern verbauten Fitipower-Tuner gehen je nach Modell bis 948.6 MHz respektive 1100 MHz, der Rafael Micro reicht zwar von 24 bis 1766 MHz. Allerdings soll dessen Signalqualität über 900 MHz deutlich nachlassen.

Als A/D-Wandler nutzt das Frontend weiterhin den RTL2832U-Chip mit einem Dynamikumfang von 8 Bit und einer Samplerate von etwa 2,4 MS/s. Das Frontend gibt’s im Outernet-Store für 45 US-Dollar. Für den Empfang des Satellitensignals und fürs Heruntermischen auf die RTL-SDR Frequenzen benötigt es eine herkömmliche Satellitenschüssel und einen Umsetzer (LNB). Die Outernet-Daten werden über verschiedene Satelliten via DVB-S ausgestrahlt. Eine Liste, was wo gesendet wird und in welche Richtung die Schüssel ausgerichtet werden muss, gibt es auf der Seiten von Outernet.

Das Frontend kann mit einem Raspberry Pi B oder B+ verbunden werden (an der Unterstützung vom Raspberry Pi 2 arbeitet Outernet gerade). Der empfängt die Daten und verbreitet sie per WLAN weiter. Dafür gibt es fertige SD-Karten und Images. Oder die wird Software von Hand installiert. Alternativ lässt sich der Empfang auch mit DVB-S-Empfängern testen. Unterstützt werden PCTV 460e, 461e und die Geniatech HDStar TV. (dab)