Gute Reklame, böse Reklame

Es ist erstaunlich, wie wenig kreativ und den Nutzerwünschen entsprechend viele Web-Kampagnen noch immer sind. Dafür gibt es dann von der fortschrittlichen Userschaft die (gerechte?) Höchststrafe: Den Einsatz von Werbeblockern.

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Von
  • Ben Schwan

Vor einigen Monaten sorgte die Website eines Online-Geschäftsmannes kurzzeitig für Wirbel, auf der er ankündigte, künftig alle Anfragen von Nutzern mit Mozillas Firefox-Browser abzuweisen. Begründung: Die Software enthalte Komponenten zur einfachen Werbeblockade, "bestehle" damit die Inhalteanbieter. Der Herr, dem damals der Zorn zahlreicher kompetenter Netznutzer entgegen schlug (inklusive Hacks seiner Seite), mag zwar im Grundsatz recht gehabt haben - schließlich leben die meisten Online-Medien allein von Werbung und wenn diese aufgrund technischer Maßnahmen nicht angezeigt wird, geht die Reichweite zurück und damit auch das eingenommene Geld. Allerdings ist die Argumentation auch leidlich krumm, weil sie den Nutzern Böswilligkeit unterstellt. Dabei werden Werbeblocker vor allem dort gerne eingesetzt, wo die Online-Reklame besonders nervig daherkommt - als Selbstverteidigung, quasi.

Diese Reklameformen hören auf Namen wie "Layer Ads" oder "Pop Unders", versperren den Zugang zu Seiteninhalten, arbeiten mit grell blinkenden Animationen oder tönen bei Betreten einer Website laut los. Es soll Homepages großer deutscher Verlage geben, deren Reklame-Javascript-Inhalte Browser nachvollziehbar zum Absturz bringen. Ist es da nicht verständlich, darf man sich durchaus fragen, dass der Nutzer die Notbremse zieht?

Die Mediaagenturen machen es Freunden von Werbeblockern aber auch reichlich einfach. So gibt es kaum mehr eine Markenartikler Anzeige, die nicht in Flash-Technik umgesetzt wird. Da reicht also schon ein so genannter Flash-Blocker aus, der alle entsprechenden Inhalte standardmäßig erst einmal ausschaltet - schon sind die Kampagnen nicht mehr zu sehen (allerdings gibt es auch hier einen Einschaltknopf, den der Nutzer nach belieben aktivieren kann). Die gleiche Unkreativität gilt für Pop Ups und Pop Unders, die fast jeder User inzwischen sperrt. Ergebnis: Nur die Unbedarften müssen sich diese Reklameform gefallen lassen. Doch sind das Zielgruppen, die große Unternehmen mit ihren Werbebotschaften erreichen wollen?

Es müsste viel eher zu einem Kompromiss zwischen Medien, Werbetreibenden und Nutzerschaft kommen. Die Werbetreibenden und Medien versuchen, ihre User nicht mehr für dumm zu verkaufen / sie für unintelligentes "Klickvieh" zu halten. Und die Nutzer schauen sich im Gegenzug schlau gestaltete Werbung an. (Und nein, ich rede hier nicht von Product Placement und Konsorten. Schon allein mit klassischen Werbeformen lässt sich enorm viel anstellen, ohne journalistische Integrität aufzugeben.)

Natürlich kann "schlau gestaltete Werbung" auch weit über das Hinausgehen, was der Nutzer sich wünscht. Das sieht man im aktuellen Skandal um den Social-Networking-Riesen Facebook, der anderen Nutzern zu Werbezwecken übertrug, was ihre Freunde auf Partnerseiten so alles anstellen. Auch ganz speziell personalisierte Werbung löst bei vielen Benutzern eher Unbehagen aus. Aber wer sagt denn, dass Mediaplanung und das Gestalten großer Kampagnen einfach sein sollte? Das war es ja noch nie, selbst in Zeiten vor dem Internet. (wst)