US-Klagen von Hirntumor-Patienten gegen Mobilfunkindustrie
Amerikanische Handy-Besitzer, die an einem Gehirntumor erkrankt sind, wollen eine ganze Reihe von Mobilfunkanbietern verklagen.
US-Anwälte wollen der Auseinandersetzung um die Schädlichkeit der elektromagnetischen Abstrahlungen von Handys neue Dimensionen hinzufügen: Juristische Auseinandersetzungen und milliardenschwere Schadensersatzforderungen. Nach einem Bericht der britischen Times vom heutigen Donnerstag wollen amerikanische Handy-Besitzer, die an einem Gehirntumor erkrankt sind, eine ganze Reihe von Mobilfunkanbietern verklagen, darunter Verizon Wireless, ein Jointventure von Vodafone und dem aus der Fusion von Bell Atlantic und GTE hervorgegangenen Konzern Verizon. Die Zeitung spricht vom bisher "größten juristischen Angriff auf die Mobilfunkindustrie", der zu Milliardenzahlungen der Branche führen könnte. Die Tumorpatienten werden von Staranwalt Peter Angelos vertreten, der wesentlich an der erfolgreichen Milliarden-Klage gegen die Tabakbranche im US-Staat Maryland beteiligt gewesen sei.
John A. Pica, ein Anwalt aus Angelos' Kanzlei, sagte der Times: "Wenn diese Firmen die Gefahren der Mobilfunkstrahlung kannten, dann sollten sie bestraft werden – und zwar hart: Nicht nur für das, was sie der Öffentlichkeit angetan, sondern auch für die Milliarden an Profit, die sie gemacht haben." Zwei der Klagen sollen im kommenden März eingereicht werden, weitere sieben oder acht dann im Laufe des Jahres. Jede der Klagen werde gegen einen Handy-Hersteller, einen Betreiber eines Mobilfunknetzes und eine lokale Festnetz-Gesellschaft eingereicht, erklärte der Anwalt. In allen Fällen wollen die Kläger Schmerzensgeld für die Leiden erreichen, die durch die Hirntumore ausgelöst wurden, sowie Schadensersatz für die Einkommensausfälle auf Grund der Krankheit. Außerdem möchten sie Schadensersatzzahlungen für die Familien von Handy-Nutzern, die an Hirntumoren starben, sowie Geldstrafen durchsetzen.
Die Times meint, die Klagen könnten verheerende Auswirkungen auf die Aktienkurse der Mobilfunk-Firmen haben, die bereits wegen der hohen Schulden, die sie zur Finanzierung neuer Mobilfunknetze gemacht haben, unter Druck sind. Der britische Mobilfunkkonzern Vodafone, seit einiger Zeit im Besitz von Mannesmann, wiegelte denn auch gleich ab: Das Unternehmen sei von den Klagen nicht betroffen. "Meines Wissens haben wir überhaupt nirgendwo in der Welt irgendwelche Vorladungen oder andere Gerichtssachen zu diesem Thema." Im übrigen gebe es bisher keine Beweise für Gesundheitsschäden durch Handys: Der so genannte Stewart-Report (siehe dazu auch Störfunk fürs Gehirn – Mythos und Realität von Gesundheitsschäden durch elektronische Geräte) habe Handys und Sendemasten eine Unbedenklichkeitsbescheinigung ausgestellt. "Aber eine Verbindung [zwischen Handys und Gerhirntumoren] können wir nie widerlegen. Wir brauchen mehr Forschung." (jk)