Brennstoffzellen an die Macht
In Japan werden Brennstoffzellen für den Hausgebrauch immer leistungsfähiger. Bereits im kommenden Jahr könnte der Markt mit abheben. Bereits jetzt schmieden Nippons Branchengrößen Übersee-Expansionspläne.
- Martin Kölling
Auf die Gefahr hin, mich zu wiederholen: Japan versucht mit aller Macht, als zukunftsträchtig identifizierte Produkte zuerst einzuführen, um den eigenen Konzernen dann einen Vorteil auf dem Weltmarkt zu verschaffen. Ein aktuelles Beispiel dafür sind Brennstoffzellen für Privathaushalte, die aus Erdgas den notwendigen Wasserstoff für die Erzeugung von Strom herstellen und gleichzeitig Abwärme für die Warmwassergewinnung nutzen.
Neben Atomkraftwerken und Solaranlagen gehören Brennstoffzellen für Japans Wirtschaftsplaner zu den emissionsarmen Energieproduktionstechniken, bei denen das Land gerne die Weltspitze besetzen will. Durch die frühe und staatlich subventionierte Einführung daheim sollen die Unternehmen einen Anreiz erhalten, die Hochtechnologie zu verkleinern, effizienter und kostengünstiger zu machen. Im Anschluss daran soll die Technik dann Gewinn bringend exportiert werden. Bei Solarzellen hat das lange sehr gut funktioniert. Zusammengenommen sind Japans Hersteller Weltmarktführer, wenn auch nicht mehr unumstritten.
Auch bei Brennstoffzellen lässt es sich gut an: Vorige Woche kündigte Panasonic an, bereits im kommenden Jahr mit der Vermarktung von Miniaturblockheizkraftwerken für den Heimgebrauch zu beginnen. Bereits 2010 soll die landesweite Nachfrage nach heimischen Brennstoffzellen bei rund 20.000 Stück liegen, um danach bis 2015 auf 300.000 Stück zu explodieren, sagt der Mischkonzern voraus. Panasonic hat bei seinem neuesten Produkt den Flächenbedarf für die zweiteilige Polymerelektrolytbrennstoffzellen-Kombo von 4,1 auf 2,8 Quadratmeter verringert, und den Wirkungsgrad bei der Stromerzeugung auf 39 Prozent erhöht, was laut Panasonic drei bis vier Prozentpunkte mehr als bisher und damit Weltrekord für Kleinanlagen ist, die bei niedriger Temperatur (zwischen 60 und 80 Grad Celsius) arbeiten.
Die Anlage hat eine maximale Leistung von gerade 1000 Watt. Der Wärmerückgewinnungsgrad liegt bei 55 Prozent. Höhere Effizienz weisen bisher nur größere Anlagen auf, die bei mehreren hundert Grad Celsius Energie gewinnen. Gleichzeitig wurde die Haltbarkeit durch das Neudesign des Brennstoffzellenstacks auf über zehn Jahre erhöht. Die Leistung soll bei der neuen Serie erst nach weit über 40.000 Betriebsstunden um zehn Prozent abfallen und nicht wie bisher schon nach 20.000 Stunden.
Weitere Rekordmeldungen sind aus Japan von nun an mit schöner Regelmäßigkeit zu erwarten. Denn auf den ostasiatischen Inseln ist der Wettbewerb schon heute hart, bevor er morgen richtig begonnen hat. Japans größter Pumpenhersteller Ebara will schon dieses Jahr mit der Großserienherstellung beginnen, der Kraftwerksgigant Toshiba bald folgen. Japans führende Ölgesellschaft Nippon Oil hat das Brennstoffzellengeschäft des Elektronikherstellers Sanyo erworben, um den Stromfirmen Kunden abzujagen. Der Badezimmer- und Küchenausstatter Toto will bis 2011 eine preiswerte Zelle auf den Markt bringen. Auch Japans größter Fertighaushersteller Sekusui (60.000 Wohneinheiten pro Jahr) bringt die Saat früh aus, um vom gestiegenen Umweltbewusstsein der Japaner profitieren zu können. Bereits jetzt können Kunden bei der neuen Ökoheim-Linie des Anbieters eine Brennstoffzelle mitbestellen.
Die größten Sorgen bereiten noch die Preise. Eine Million Yen (rund 6000 Euro) kostet laut Haruyuki Ishio, Vize-Präsident von Panasonics Haushaltsgerätegeschäft, eine Brennstoffzelle den Kunden. Er hat sich trotz steigender Rohstoffkosten ein ehrgeiziges Ziel gesetzt. "Mein Ziel für das Jahr 2015 ist ein Verkaufspreis von unter 600.000 Yen." Dennoch will er bereits ab 10.000 verkauften Einheiten Gewinn machen.
Es könnte sich rechnen. Denn Panasonic peilt für 2015 einen Marktanteil von 30 Prozent in Japan an. Europäische Hersteller können sich schon jetzt darauf einrichten, in ihren Heimatmärkten mit der Konkurrenz aus Asien konfrontiert zu werden. Schließlich hat Panasonic auch in diesem Segment ein hohes Ziel. "Wir wollen ein global führender Hersteller von Umwelttechnologien werden," sagt Ishio. (wst)