Beten fĂĽr Bosch

Der deutsche Autozulieferer steigt in die Massenfertigung von Lithium-Ionen-Akkus fĂĽr Hybrid- und Elektroautos ein. Damit tritt er tapfer gegen die Ăśbermacht der Japaner an.

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Von
  • Martin Kölling

Der deutsche Automobilzulieferer Robert Bosch GmbH hat Anfang der Woche den Mund ganz schön voll genommen, als er sein Joint Venture SB LiMotive zur Herstellung von Lithium-Ionen-Batterien mit dem südkoreanischen Elektronikhersteller Samsung verkündete. Einen Weltmarktanteil von 30 Prozent peilen die Partner für die neue Batterietechnik an, die Hybrid- und Elektroautos den endgültigen Durchbruch verschaffen soll.

Dem Vorstoß gebührt Hochachtung, denn ein Überblick über die Konkurrenz zeigt, dass Bosch dabei unsere Gebete gut gebrauchen kann. Das schwäbisch-südkoreanische Gespann muss zuerst die in der Batterietechnik führenden Japaner einholen, bevor es ans Überholen denken kann. Nirgendwo ist die Dichte an Lithium-Ionen-Akku-Herstellern so groß wie in Nippon. Eine lange Reihe von Herstellern, darunter die Autobauer Toyota, Nissan und Mitsubishi Motors, haben bereits nahezu marktreife Produkte im Schrank.

Kurz vorweg: Bosch will sowohl den koreanischen Autobauer Hyundai als auch andere Autohersteller ab 2010 mit Batterien fĂĽr Hybridautos beliefern. Im Werben um die Fahrzeugbauer, die noch keinen Batteriepartner haben, trifft Bosch allerdings auf den WeltmarktfĂĽhrer bei Lithium-Ionen-Akkus fĂĽr Notebooks und Handys, den japanischen Elektronikkonzern Sanyo. Der hat gerade einen Lithium-Ionen-Bund mit Volkswagen abgeschlossen und damit Bosch zumindest vorerst einen wichtigen Kunden ausgespannt. Auch Sanyo will die ungebundenen Hersteller erobern und verspricht sich einen Weltmarktanteil von 40 Prozent bei Lithium-Ionen-Akkus fĂĽr die Automobilindustrie.

Mitsubishi Motors – klein an Absatzzahlen und Gewinn, aber groß im Schmieden von Plänen für Elektroautos – wird Peugeot die Technik für Elektroautos zuliefern, mitsamt Lithium-Ionen-Akkus aus dem eigenen Haus. Die Firma entwickelt ihre Akkus der nächsten Generation gemeinsam mit dem japanischen Hersteller Yuasa. Die Partner wollen bereits 2009 einen elektrisch angetriebenen Kleinwagen mit Lithium-Ionen-Akkus, den "i Miev", auf den Markt werfen. Wieder zwei Kunden weniger für Bosch.

Auch Toyota kann Bosch von vorne herein als Kunden abschreiben. Der weltgrößte Autokonzern entwickelt seit Jahren seine eigenen Batterien mit dem Konsumelektronikgiganten Panasonic. 2009 soll die Massenproduktion von Lithium-Ionen-Akkus starten, 2010 der Einsatz. Außerdem kündete Toyota-Chef Katsuaki Watanabe vorige Woche auf dem hauseigenen Umwelttechnikforum die Entwicklung der nächsten Batteriegeneration an, die Lithium-Ionen-Akkus alt aussehen lassen soll. In den kommenden zwei Jahren will Toyota dafür ein Team aus 100 Entwicklern bilden.

Die Allianz von Nissan und Renault baut ihre Batterien mit dem Elektronikkonzern NEC. Der Alleingang des japanisch-französischen Duos dürfte für Bosch besonders schmerzhaft sein. Schließlich setzt Nissan alles daran, durch eine frühe Einführung von Elektroautos Weltmarktführer in diesem Segment der so genannten Null-Emissionsautos zu werden. Die erste Fabrik ist auf eine Kapazität von 60.000 Batteriesätzen pro Jahr ausgelegt.

Darüber hinaus bieten auch der Elektronikhersteller Toshiba seine hochentwickelten Batterien Autoherstellern an. Und Rivale Hitachi hat sich gerade von General Motors einen Großauftrag für Batterien gesichert, die in Hybridautos ihren Dienst tun sollen. Zu der schon eindrucksvollen Liste an Rivalen addieren sich noch der Autozulieferer Johnson Controls, außerdem LG Chem aus Südkorea und die Autosparte von Continental, die beide Lithium-Ionen-Akkus für das von General Motors geplante Elektroauto Volt entwickeln. Und Continental hat sich erst Anfang Juni durch die Übernahme des kleinen, aber hochqualifizierten japanischen Batterieentwicklers Enax gestärkt.

Das Gedränge ist groß, der Fall aber nicht hoffnungslos. Auch bei Halbleitern und Solarzellen dominierten die Japaner die Welt einst nach Belieben. Und dann haben sie binnen weniger Jahre bei Chips ihre Führung verloren. Derzeit schließen Konkurrenten aus Deutschland und China die Lücke bei Solarzellen rasant. Und mit Samsung SDI hat Bosch einen der weltbesten Hersteller von Lithium-Ionen-Batterien aufgetan. Beide kooperieren schon bei Akkus für Werkzeuge von Bosch. Vielleicht kann das Unternehmen diese Aufholjagd bei Batterien ja wiederholen. (wst)