Nur Kennedy 2.0

Von wegen Obamania: Was Barrack Obama, von John McCain ganz zu schweigen, zu Forschung und Umwelt plant, ist wahrlich kein Hammer.

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Von
  • Niels Boeing

Die Obamania, die letzte Woche durch Berlin schwappte, ist mir nicht unsympathisch. Auch ich möchte gerne daran glauben, dass die Rückkehr des „guten Amerikaners“ in die Weltpolitik bevorsteht. Was aber wäre von Obama hinsichtlich Umwelt und Forschung zu erwarten? Wie bei seinem Konkurrenten John McCain rangieren beide Themen auf der Wahlkampf-Agenda nicht oben. Auch Obama ist auf die Initiative ScienceDebate2008.com nicht angesprungen, in einer TV-Debatte zu Forschungsthemen Stellung zu beziehen (Hillary Clinton übrigens auch nicht, als sie noch im Rennen war). Immerhin nimmt er in seinem Wahlprogramm Stellung, während man John McCains Vorstellungen wie Brotkrumen zusammenklauben muss.

Obama will die Fördergelder für die Grundlagenforschung verdoppeln und das Bildungssystem aufpäppeln. Das Geld dafür würde er der NASA wegnehmen und das von Bush bewilligte „Constellation Programm“ für die Rückkehr zum Mond und den Sprung zum Mars um fünf Jahre nach hinten verschieben – sprich: seinem Nachfolger überreichen. Zum Streit um die Forschung mit embryonalen Stammzellen hat er zwar nicht in seinem Programm Stellung bezogen, 2006 aber für einen Gesetzesentwurf gestimmt, der sie wieder erleichtern würde.

Am meisten Fleisch an den Knochen ist noch bei Energie und Klimaschutz. 150 Milliarden Dollar will Obama für die weitere Forschung an Erneuerbaren Energien auf den Weg bringen. Die werden wohl ohne einen Rückzug aus dem Irak nicht locker zu machen sein. Wenn es nach ihm geht, sollen 2025 Erneuerbare ein Viertel des amerikanischen Energiebedarfs decken. Bis 2050 sollen die USA ihre CO2-Emissionen um 80 Prozent gegenüber 1990 gesenkt haben. Auch wenn er mit 44 Jahren ein Jungspund ist – ob er das noch erleben würde? Außerdem befürwortet er einen Emissionshandel (Hillary war allerdings konsequenter: Sie hatte sich darauf festgelegt, dass ein Emissionshandel ausschließlich als Auktion abläuft). Bis 2028 soll das 4-Liter-Auto Standard werden, und, fordert Obama: „Alle Amerikaner sollen auf Energiesparbirnen umsteigen.“ OK, das war jetzt ein wenig böse.

Aber das war’s im Wesentlichen schon. Bei der Atomkraft hält er sich genauso bedeckt wie in der Frage, ob er ein internationales Klimaschutzabkommen unterzeichnen würde – die Aushandlung von einem Post-Kioto-Protokoll 2012 würde noch in seine Amtszeit fallen (die im Januar 2013 abliefe). Der Hammer ist das nicht: Die große Vision fehlt.

Aber gegen McCain gut auszusehen, verlangt ihm nicht allzu viel ab. Der schwurbelt auf seiner Seite über den Wert des ungeborenen Lebens und verklausuliert dabei nur mühsam, dass er Abtreibungen lieber heute als morgen wieder illegal machen würde. Beim Streit ums „Intelligent Design“ versucht er es salomonisch und sagt, die Evolutionstheorie sei vernünftig, aber „Gottes Hand“ dennoch sichtbar am Werk. Ach ja, „ich unterstütze ausdrücklich einen Ausbau der Kernkraft“, sagt er auch. Oh John.

Die Initiatoren von ScienceDebate2008 haben schon Recht: Für eine Nation, deren Wirtschaftswachstum seit dem Zweiten Weltkrieg zur Hälfte auf Forschung und Technik basierte, ist das, was die beiden Kandidaten zu bieten haben, dürftig.

Nach Obamas Rede an der Siegessäule in Berlin wurde darüber diskutiert, ob er nun ein neuer Kennedy sei oder nicht. Gemessen an seinem Wahlprogramm zu Forschung und Umwelt ist er es sicher nicht. Aber vielleicht reicht ja „Kennedy 2.0“ – die Version, die genauso weichgespült ist wie das Web 2.0. Hauptsache, man kommt bei Youtube gut rüber. (wst)